{"id":867,"date":"2014-10-02T15:18:30","date_gmt":"2014-10-02T15:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=867"},"modified":"2014-10-02T15:30:12","modified_gmt":"2014-10-02T15:30:12","slug":"pariser-gebummel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=867","title":{"rendered":"Pariser Gebummel"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt ist die Modewoche vorbei und es laufen nur noch ein paar Versprengte etwas melancholisch durch die Stadt. Gestern gab es nochmal ein Riesenaufgebot und auch ich habe mich in einen schwarzen, modisch glockigen Rock geh\u00fcllt (allerdings bin ich bei den Schuhen weich geworden, weil ich einen l\u00e4ngeren Marsch geplant hatte) und habe doch wieder zu Ballerinas gegriffen, bin ja auch nicht in der Branche t\u00e4tig, also bitte! und bin die Rue Saint Honor\u00e9 hinaufgeeilt. Denn das Eilen ist das A und O, will man nicht in denn Rinnstein geschubst werden von einer wichtigen Pariserin. Es braucht &#8211; wir sprachen schon dar\u00fcber &#8211; durchaus ein gesundes, in Marmor gemei\u00dfeltes Selbstbewusstsein, um auf den schmalen Trottoirs zu bestehen. Und das meine ich w\u00f6rtlich. Sie sind zwar klein und schm\u00e4chtig diese Franzosen und auch schneidend h\u00f6flich, aber Platz machen sie nur dem, der es ernst meint. Am besten ist es, an etwas anderes zu denken oder in sein Handy zu schauen und wie ein Panzer loszuwalzen. Wird es eng, sagt man knapp &#8222;Pardon Madame&#8220; oder eben Monsieur (wobei man das bei der aktuellen Modesituation manchmal auf die Schnelle kaum unterscheiden kann, vorgestern hatten Bauarbeiter aus Versehen einem Mann in einem kurzen Faltenr\u00f6ckchen nachgepfiffen, gut er hatte spektakul\u00e4re Beine, aber es war ihnen dann doch sehr peinlich) und rast scheinbar ausstellend, aber eben doch nicht, weiter.<br \/>\nNachdem ich den ganzen Tag wie eine Wilde Emails geschrieben, Telefonate gef\u00fchrt, Tabellen kontrolliert, etc. habe, dachte ich mir, andere gehen auch essen, tust Du das auch. W\u00e4hrend des Treibenlassens bin ich an der Madeleine vor einem Caf\u00e9 im strahlenden Sonnenschein gelandet und wollte mich setzen. Ich fand nicht, dass ich so \u00fcbel aussah, dass man mich in den Innenraum verstecken h\u00e4tte m\u00fcssen, aber genau das wollten sie. Weil ich als Einzelne nutzloserweise einen Zweiertisch, der sogar unter Umst\u00e4nden zu einem Vierertisch erweitert werden h\u00e4tte k\u00f6nnen, blockiert habe. Aber ich hatte meine Lektion &#8211; auch von meinem kleinen zauberhaften Hund &#8211; gelernt. Ich bin einfach stehen geblieben. Und schwupps ging alles. Essen war der M\u00fche nicht wert, aber sch\u00f6n war es doch und parbleu, man kann doch in Sachen Mode gar nicht aufgeschlossen genug sein. Bei mir ging es noch leidlich, aber es h\u00e4tte noch tausendmal besser sein k\u00f6nnen, wenn ich a. meine Haare l\u00e4nger nicht waschen w\u00fcrde, b. sie niemals f\u00f6hnen w\u00fcrde und c. wie schon erw\u00e4hnt alle Gl\u00fchbirnen rausdrehen und mich dann erst anziehen w\u00fcrde.<br \/>\nWeiter also. Zu den Kaffeepads, denn die Tabellen kontrollieren sich nicht von selbst. Bin also in das riesige Warenhaus, hab mich noch \u00fcber die ge\u00e4nderten \u00d6ffnungszeiten gefreut, dann \u00fcber den Geruch gewundert, aber gedacht, dass all die Essensst\u00e4nde sicher ein Tribut an die armen verhungerten Models und ihr Gefolge sind (was nat\u00fcrlich dumm von mir war), dann ins Untergeschoss gefahren und unbeirrt durch einen tropischen Wald an Obst und exotischem Waswei\u00dfich gegangen und schlie\u00dflich vor einem Sortiment verschiedner Reissorten gelandet. Keine Kaffepads weit und breit. Fragen hat nichts geholfen. Kaffee g\u00e4be es dort und aus. Eine Dame hat sich erbarmt und mich in den ersten Stock geschickt und dann auf dem R\u00fcckweg ist es mir aufgefallen, dass aus der guten Haushaltswarenabteilung ein Gourmethimmel geworden ist. Offenbar haben nicht nur M\u00e4nner einen Tunnelblick. Im ersten Stock hab ich mir schw\u00f6ren lassen, dass das die letzte Ver\u00e4nderung in diesem Gesch\u00e4ft sein wird und ab jetzt alles so bleibt wie jetzt. Gut. Kann ja nicht jedes Mal einen halben Tag mit dem Beschaffen von Kaffee verbringen. Aufgrund einer Aneinanderreihung von Fragen meinerseits, ob man Fotos machen d\u00fcrfte und der Tatsache, dass das nur im 6. Stock des Haupthauses beantwortet werden k\u00f6nnte, bin ich dann noch auf dem Dachgarten der Galerie Lafayette gelandet, was als Abschluss der scheinbaren Bummelei doch wirklich wunderbar war. Und das war&#8217;s eigentlich schon f\u00fcr heute. Ein reiner Erlebnisbericht, keine Gedanken, nur Pariser Gebummel. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ist die Modewoche vorbei und es laufen nur noch ein paar Versprengte etwas melancholisch durch die Stadt. 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