{"id":76,"date":"2014-05-01T17:55:47","date_gmt":"2014-05-01T17:55:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=76"},"modified":"2014-05-03T18:06:00","modified_gmt":"2014-05-03T18:06:00","slug":"der-elder-streetfighter-vom-trullo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=76","title":{"rendered":"Der elder streetfighter vom Trullo"},"content":{"rendered":"<p>In Rom wohnen wir in einer recht wilden Gegend. Als wir hierher gezogen sind, gab es junge M\u00e4nner, die sich nicht getraut haben, uns beim Umzug zu helfen, weil hier die M\u00fclltonnen brennen sollen. Tats\u00e4chlich hat in unserer ersten Woche hier ein lange falsch geparktes Auto gebrannt, aber das war seitdem auch das Einzige. Hier leben viele Ausl\u00e4nder. Wir ja auch. Die Menschen sind recht direkt und &#8211; um es mal vorsichtig zu sagen &#8211; viele haben Stra\u00dfenerfahrung. Um hier gro\u00df werden zu k\u00f6nnen, muss man sich schon durchsetzen k\u00f6nnen. Ruhige Mitschwimmer findet man eher wenige.<\/p>\n<p>Einer der Wildesten hat eine Eisdiele. Er macht das beste Eis in Rom. Das kann ich mit Fug und Recht sagen, denn ich kenne recht viele Eisdielen im Zentrum. Nicht alle, das w\u00e4re meiner Figur sehr abtr\u00e4glich, aber doch genug, um mich immer wieder in eine Bikinikrise zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Giulio, dessen Bruder \u00fcbrigens eine preisgekr\u00f6nte Metzgerei und eine sehr gl\u00e4ubige Ehefrau hatte (die Ehefrau hat er immer noch, die Metzgerei nicht mehr), gilt als &#8222;elder streetfighter&#8220;. Die legend\u00e4ren &#8222;bande della Magliana&#8220;, Stoff f\u00fcr so manchen Film, waren Teil seiner Jugend. Heute ist er ein jovialer, herzlicher und kluger Wirt. Er hat auf unnachahmlich italienische Art und Weise seine Eisdiele St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erweitert und eine recht coole Bar im Nebenraum draus gemacht.<\/p>\n<p>Dass die Gegend als so wild gilt, gereicht ihm jetzt zum Vorteil, denn vor seiner Bar parkt den gesamten Tag ein Einsatzwagen der Carabinieri mit zwei h\u00fcbschen Uniformierten, die immer mal wieder auf einen caff\u00e8 zu ihm kommen. Giulio selbst ist ein Ph\u00e4nomen. Sieht man ihn zum ersten Mal, fallen einem besonders seine schaufelgro\u00dfen H\u00e4nde mit den immer etwas rustikalen Fingern\u00e4geln auf, dann seine dicken Silberketten und dann der inzwischen gr\u00e4uliche und entwaffnend fluffige Haarkranz. Seine Kleidung ist immer noch rockerm\u00e4\u00dfig, aber seine Sprache herzlich. Sieht man ihn mit Kindern, wei\u00df man, warum er nicht unter die R\u00e4der geraten ist. Er ist ein Mensch, der eine Grille mit einem eingerissenen Fl\u00fcgel von der Stra\u00dfe auf einen Haussims setzt, damit keiner auf sie tritt. Kommt aber einer in seine Bar und bestellt recht nassforsch einen Cappuccino, dann kann es durchaus sein, dass er ihm bescheidet, dass es v\u00f6llig in seinem, Giulios, Ermessen liegt, ob er den auch bekommt. H\u00f6flichkeit und vor allem Respekt sind die W\u00e4hrung hier, wo es nicht immer so viele Regeln zu geben scheint.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte noch lange weiterschreiben \u00fcber Giulio und die anderen H\u00e4ndler in unserer Stra\u00dfe. Dass er alle Frauen &#8222;dolcezza&#8220; nennt, aber seine Patrizia abg\u00f6ttisch liebt, dass er vorsichtig und sensibel nach Eltern fragt (k\u00f6nnte ja immer etwas sein), dass er seine Mitarbeiter seit Jahren hat, dass er seine Kinder zum Studieren schickt, weil sie es gut haben sollen und, und, und. F\u00fcr uns ist sein &#8222;Alta Marea&#8220; (Flut) ein Ort, an dem wir immer willkommen sind und wo wir neben dem besten Eis auch die herzlichsten Gespr\u00e4che f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Rom wohnen wir in einer recht wilden Gegend. Als wir hierher gezogen sind, gab es junge M\u00e4nner, die sich nicht getraut haben, uns beim Umzug zu helfen, weil hier die M\u00fclltonnen brennen sollen. Tats\u00e4chlich hat in unserer ersten Woche hier ein lange falsch geparktes Auto gebrannt, aber das war seitdem auch das Einzige. 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