{"id":657,"date":"2014-08-10T17:15:23","date_gmt":"2014-08-10T17:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=657"},"modified":"2014-08-10T17:24:24","modified_gmt":"2014-08-10T17:24:24","slug":"treue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=657","title":{"rendered":"Treue"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man einige Tage neben dem Strandcapo liegt, stellt man sich unweigerlich irgendwann die Frage, wie er das geworden ist. Unser capo ist es wohl zum einen durch seine sonore Stimme und sein respektables \u00c4u\u00dferes, aber auch durch seine jahrelange Treue zum selben Ort und seine Bereitschaft, mit jedem \u00fcber fast alles zu plaudern, geworden. Nie w\u00fcrde er ein Buch in die Hand nehmen, das eine unsch\u00f6ne Grenze zwischen ihm und der Au\u00dfenwelt bedeutete, nie mit Kopfh\u00f6rern auf seiner Liege rum d\u00f6sen. Er strahlt unter seinem Schirm und seiner Sonnenbrille eine generelle Bereitschaft zum Plaudern aus. Und, wie gesagt, er ist einfach da und das schon lange.<br \/>\nSo eine Treue gibt es dort am Strand mindestens noch einmal. N\u00e4mlich Hermine und Alfred, die jeden Sonntag und wie wir nun wissen, auch zwischendurch mittags zum Essen kommen, immer am selben Platz sitzen und immer die k\u00f6stlichsten Dinge serviert bekommen. Wir m\u00fcssen uns wei\u00df Gott nicht beschweren, aber die Beiden sind schon einen Schritt voraus. Nach ein paar Jahren, nachdem uns eine gewissen Regelm\u00e4\u00dfigkeit aufgefallen war, haben wir hin\u00fcber genickt, da sie immer eine Tischdiagonale entfernt sa\u00dfen. Dann sind wir dazu \u00fcber gegangen, an ihren Tisch zu gehen, um hallo zu sagen. Hermine ist dabei immer aufgestanden, was ich unfassbar h\u00f6flich finde, denn sie ist weit in den Achtzigern, auch wenn man ihr das \u00fcberhaupt nicht ansieht. Sie trinken jedes Mal ein Fl\u00e4schchen Wein zusammen und essen niemals \u00e0 la carte. Sie leben in Rom und fahren regelm\u00e4\u00dfig und fr\u00f6hlich hinaus zum Mittagessen und es ist r\u00fchrend und muteinfl\u00f6\u00dfend, sie zu sehen. Sie haben genau dieselbe Freude an alledem wie wir und als ich Pasquale gestern gefragt habe, wie lange sie schon k\u00e4men, sagte er mir, seit 1983, also ziemlich genau ab der Er\u00f6ffnung. Sie strahlen so eine Zufriedenheit aus und Pasquale hat uns erz\u00e4hlt, dass Alfredo ein experimentierfreudiger Koch ist und seine Frau die Pasta dazu bereitet. Wir reden hier offenbar von kleinsten, feinsten Tortellini und nicht von irgendwelchen banalen Fettuccine&#8230;<br \/>\nGestern Abend in Trastevere hatten wir auch so ein zauberhaftes Paar neben uns und irgendwann hat sie es nicht mehr ausgehalten und uns angesprochen. Die beiden waren auch so derma\u00dfen alt und man hatte \u00fcberhaupt keine Vermutung diesbez\u00fcglich, vor allem, weil sie uns fr\u00f6hlich von der Vespa erz\u00e4hlt haben, mit der sie morgens am Gardasee immer die Cornetti holt, weil man ja vor lauter deutschen Autos sonst \u00fcberhaupt nicht mehr durchkommt. Warum ich das schreibe? Weil es wichtig ist in Zeiten, in denen von Krankheit, Altersarmut und Scheidung die Rede ist, wohin man blickt. Und ab morgen werden die Eintr\u00e4ge wieder weniger verfressen. Leider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man einige Tage neben dem Strandcapo liegt, stellt man sich unweigerlich irgendwann die Frage, wie er das geworden ist. Unser capo ist es wohl zum einen durch seine sonore Stimme und sein respektables \u00c4u\u00dferes, aber auch durch seine jahrelange Treue zum selben Ort und seine Bereitschaft, mit jedem \u00fcber fast alles zu plaudern, geworden. 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