{"id":600,"date":"2014-07-30T07:33:15","date_gmt":"2014-07-30T07:33:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=600"},"modified":"2014-08-06T20:48:34","modified_gmt":"2014-08-06T20:48:34","slug":"pasquale-der-fischbaendiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=600","title":{"rendered":"Pasquale &#8211; der Fischfl\u00fcsterer"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt ist der Moment gekommen, um von unserem Pasquale zu berichten und ihn zu lobpreisen. An der ein oder anderen Stelle hat er schon durchgeschimmert, aber einer wie er hat einen ganz eigenen Eintrag verdient. Die Geschichte von Pasquale ist eine robust gewachsene Liebesgeschichte. Im ersten Jahr in Rom war es mein Bestreben als hinzugezogene Deutsche, m\u00f6glichst oft und viel am Meer zu sein, dort zu essen, in den Wellen zu knutschen, auf Schwimmtieren zu reiten und sehr oft mit den F\u00fc\u00dfen im Sand zu sein. Mein Mann wollte wie bei fast allem, was mich betrifft, keinesfalls etwas dem Zufall \u00fcberlassen und nur das Allerbeste und so begann er mit seinen Erkundigungen nach einem Ort, wo man am Meer wirklich guten Fisch essen k\u00f6nnte. Es geht n\u00e4mlich die Schauergeschichte um, dass man in manchen Lokalen am Strand durchaus Tiefk\u00fchlware von meeresfern aufgewachsenen K\u00f6chen zubereitet bekommt. Das sollte uns nicht passieren. Waren wir bei der Wahl des Badeortes noch indifferent, so durften wir ein solches Risiko beim Essen keinesfalls eingehen. Und so hat es eine Weile gedauert, bis wir an Pasquale kamen. Der Ingenieur im B\u00fcro meines Mannes hatte einen Cousin mit Kontakten zum Fischversteigerungsmarkt in Ostia. Und der hat gesagt, dass unser Pasquale einer der beiden Einzigen ist, die wirklich nachts da stehen und den Fisch aussuchen. Inzwischen leitet Pasquale die Versteigerungen und somit ist eh alles gut. \u00dcbrigens eine hochkomplexe Angelegenheit dieses Fischekaufen und -verkaufen.<br \/>\nEines Abends &#8211; noch im alten Jahrtausend &#8211; sind wir also aufgeregt nach Ostia aufgebrochen. Man hat uns in dem sehr \u00fcberf\u00fcllten Restaurant im winterg\u00e4rtlichen Au\u00dfenbereich einen Tisch mitten in der Mitte zugewiesen. Zum Gl\u00fcck m\u00fcssen wir das heute nicht mehr aushalten. Aber da waren wir ja noch am Anfang. Ein recht strenger Ober, Vincenzo, wie wir nachher erfahren sollten, der \u00e4lteste und engste der Gesellen, hat uns bedient. Viel wei\u00df ich nicht mehr von diesem Abend, au\u00dfer, dass ich ein Kleid mit rosa Blumen und Spaghettitr\u00e4gern trug und wir entz\u00fcckt waren. Ab da ist alles Geschichte. In rascher Folge wurden Eltern und ausgew\u00e4hlte Freunde mitgenommen und niemals, zu keinem Zeitpunkt durften Gesch\u00e4ftspartner zu Pasquale. \u00dcberhaupt habe ich von Anfang an eifers\u00fcchtig dar\u00fcber gewacht, dass nichts und niemand uns diesen Hort der Meeresheimat zerst\u00f6rt. Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: wirklich sch\u00f6n ist es nicht, nicht stylisch oder cool. Aber mit einem Wirt, dem es nach 50 Jahren immer noch ans Herz geht, einen Gast zu verw\u00f6hnen und gl\u00fccklich zu machen, entsteht eben eine ganz besondere Atmosph\u00e4re. Nat\u00fcrlich hilft die ganze Familie mit. Die Gattin zaubert die besten dolci, die Tochter sitzt an der Kasse und der Sohn organisiert im Sommer den Strand und ist ansonsten einfach wahnsinnig freundlich.<br \/>\nBei Pasquale haben wir Geburtstage gefeiert, Silvester in Ruhe verbracht, wenn wir ersch\u00f6pft aus Deutschland gelandet sind, ging der direkte Weg vom Flughafen nach Ostia, wir haben denn neuen Papst hier erlebt und das letzte Abendessen mit unserem kleinen Hund. Pasquale war und ist hoffentlich noch sehr lange Teil unseres Lebens. Auch wenn er jetzt &#8211; sehr zu meinem Leidwesen &#8211; einen Partner aufnehmen musste. Seitdem steht ein wei\u00dfer Fl\u00fcgel im Restaurant, die St\u00fchle sind wei\u00df und neu und unbequem, es stehen Gladiolen auf den Tischen, alles ist schicker, es gibt Muschelschalen auf Schiefertafeln und es werden Empf\u00e4nge veranstaltet. Mein aufgeschlossener Mann erkl\u00e4rt mir zwar, dass die Alternative wahrscheinlich Schlie\u00dfung gewesen w\u00e4re, aber dennoch, f\u00fcr mich h\u00e4tte auch alles beim Alten bleiben k\u00f6nnen. Andererseits, das Meer ist ja auch immer in Bewegung und bleibt doch das Gleiche, hilft ja nichts.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ist der Moment gekommen, um von unserem Pasquale zu berichten und ihn zu lobpreisen. An der ein oder anderen Stelle hat er schon durchgeschimmert, aber einer wie er hat einen ganz eigenen Eintrag verdient. Die Geschichte von Pasquale ist eine robust gewachsene Liebesgeschichte. 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