{"id":591,"date":"2014-07-28T06:10:10","date_gmt":"2014-07-28T06:10:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=591"},"modified":"2014-07-28T06:11:03","modified_gmt":"2014-07-28T06:11:03","slug":"blindflug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=591","title":{"rendered":"Blindflug"},"content":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df, es ist sch\u00e4ndlich. Aber ich mag nun mal keine Meerestiere. Weder Hummer, noch Garnelen, noch Tintenfische, noch irgendwas Anderes, wof\u00fcr normale Menschen ein Buffet st\u00fcrmen. Wenn man dann noch oft in Italien und dort auch noch am Meer ist (und isst), wird aus einer netten kleinen Schrulle schnell ein unverzeihlicher Staatsakt. Hat aber auch angenehme Seiten: Bei offiziellen Abendessen, im Rahmen derer spendable Gastgeber ihre Geschmackssicherheit gerne mit dem Servieren m\u00f6glichst vieler ganzer Tiere aus den Meerestiefen unter Beweis stellen, gibt es kaum jemand aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, der nicht mit Wonne neben mir sitzen m\u00f6chte. Ich habe mir den Ruf erworben, mit Spaghetti al Pomodoro am allergl\u00fccklichsten zu sein und st\u00f6rende Meeresbewohner gro\u00dfz\u00fcgig aus der Pastaso\u00dfe zu pulen und nach nebenan zu schubsen. Ich glaube zwar, die m\u00f6gen mich auch so, aber diese kleine Marotte von mir gibt der Freundschaft die seltene M\u00f6glichkeit, mir aus der Patsche zu helfen und sich selbst was Gutes zu tun.<br \/>\nAber auch ich beuge mich dem Zeitgeist und nach dem selben Prinzip, das Frauen auch zuhause etwas Anderes als Hoppelanz\u00fcge tragen l\u00e4sst, habe ich mich an die Zubereitung von Meeresfr\u00fcchten gemacht. Ivano, der Fischh\u00e4ndler unserer wilden Gegend, tr\u00e4gt nat\u00fcrlich eine Teilschuld. Mein Mann soll schlie\u00dflich nicht unter meiner abartigen Meeresfr\u00fcchteverweigerung leiden und wenn nun mal die ganze Welt verr\u00fcckt danach ist, wird der Fehler wohl bei mir zu suchen sein. Gutes soll er sich ganz sicher nicht au\u00dfer Haus suchen m\u00fcssen.<br \/>\nIch habe also gelernt, Garnelen zuzubereiten. Und hier kann ich mit dem allergr\u00f6\u00dften Stolz verk\u00fcnden: Es ist mir gelungen. Wie einem blinden Schneider, wie einem geruchslosen Parf\u00fcmeur. Ich habe die strengsten Pr\u00fcfer \u00fcberzeugt. Abgebr\u00fcht habe ich der Spitzfindigkeit meines Vaters entsprochen, einen Entdarmer erworben (der hie\u00df sogar in Rom origianl deutsch Entdarmer) und mich mit Todesverachtung und yogischer Atmung an die Zubereitung gemacht. Das Ergebnis hatte nur noch einen kleinen Makel. Die S\u00e4migkeit fehlte. Hier konnte mein Mann helfen. Mit Kennermiene hat er mich auf Calamaretti verwiesen. Gut, hab ich auch noch diese kleinen Biester rein. Auf die kommt es nun wirklich nicht mehr an. Und siehe da: es stimmt. Sch\u00f6n ist, dass ich sie auch noch geschenkt bekommen habe. Warum? Weil mein guter treuer Ivano im Wettlokal seines Vertrauens auf den Sieg der Deutschen im WM-Finale gesetzt hatte. Wenn er als italienischer Fu\u00dfballfan \u00fcber seinen Schatten springen kann, kann ich das eben auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df, es ist sch\u00e4ndlich. Aber ich mag nun mal keine Meerestiere. Weder Hummer, noch Garnelen, noch Tintenfische, noch irgendwas Anderes, wof\u00fcr normale Menschen ein Buffet st\u00fcrmen. Wenn man dann noch oft in Italien und dort auch noch am Meer ist (und isst), wird aus einer netten kleinen Schrulle schnell ein unverzeihlicher Staatsakt. 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