{"id":4038,"date":"2018-02-15T15:09:31","date_gmt":"2018-02-15T15:09:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=4038"},"modified":"2018-02-15T15:09:31","modified_gmt":"2018-02-15T15:09:31","slug":"sofas-huehner-zwiebeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=4038","title":{"rendered":"Sofas, H\u00fchner, Zwiebeln"},"content":{"rendered":"<p>Seit heute morgen um sieben Uhr sitze ich wie eine Braut am Hafen vor dem Fenster und starre auf den Platz hinunter. Und eigentlich kann kaum eine Braut sehns\u00fcchtiger geschaut haben als ich. Ich habe n\u00e4mlich gestern Abend um 18.33 Uhr (sic!) eine E-Mail bekommen, dass unser G\u00e4stesofa heute zwischen sieben und neun Uhr geliefert werden wird. Ich finde es recht sportlich, erst zw\u00f6lf Stunden vorher eine solche Information zu erhalten, aber wir Deutschen sind halt auch recht verplant und nur wenig spontan. Stimmt schon. Nun ist es 11.19. Hinter mir liegen mehrere ratlose Gespr\u00e4che mit meinem Mann, eines mit dem genervten Mann vom Relais Colis, was wohl die franz\u00f6sische Verladestelle f\u00fcr alles M\u00f6gliche ist, der meinte, die Lieferung sollte zwischen sieben und neun zugestellt werden, habe sich aber wohl verz\u00f6gert und eines mit Kris, dem Concierge, welcher meint, das sei gar nicht normal und l\u00e4ge bestimmt am Schnee der letzten Tage (sic!!!). Dadurch seien sehr viele Lieferungen verz\u00f6gert worden. Was einem das Leben im Ausland also in jedem Fall abverlangt, ist eine muttertheresaartige Lang- und Demut. Und Sitzfleisch. <\/p>\n<p>Eine Bekannte, die erstaunlicherweise ums Eck wohnt (und das im gro\u00dfen Paris!) meinte, sie k\u00e4me dann am Nachmittag um das Sofa zu bewundern, aber f\u00fcrchte, sie wird auch bis dahin mit mir alleine Vorlieb nehmen m\u00fcssen&#8230;.<br \/>\nSo, es sind jetzt weitere viereinhalb Stunden vergangen. Ich habe alle Tricks versucht, bin sogar einkaufen gegangen, was normalerweise &#8211; allerdings ohne Vorsatz &#8211; immer funktioniert. Hat es jemand schon mal eilig gehabt und musste an jeder Ampel anhalten? Klar. Und wollte sich schon mal jemand an einer roten Ampel die Lippen nachziehen? Na, bitte, gr\u00fcne Welle. Das Einkaufen hat nicht funktioniert, aber daf\u00fcr was viel Tolleres. Der Metzger, bei dem ich mich langsam hocharbeite, hatte zu. Nun wollte ich aber meine hart erk\u00e4mpfte Freiheit nicht unt\u00e4tig und vor allem ebenso erfolglos verstreichen lassen wie den \u00fcbrigen Tag und habe im Handy eine andere gesucht. Auf dem kurzen Weg dorthin habe ich nicht nur ein sehr h\u00fcbsches zugewachsenes Haus entdeckt, sondern gleich gar ein neues Viertelchen und &#8211; man h\u00f6re und staune &#8211; einen Metzger, der ausschlie\u00dflich gl\u00fcckliche freie Tiere verkauft. Daf\u00fcr haben zwei H\u00fchnerbr\u00fcstchen mit Fu\u00df (oder Fl\u00fcgel?! dran) auch zwanzig Euro gekostet. Er hatte sie schon zerlegt, da wollte ich nicht schwierig werden. Und au\u00dferdem spricht er auch Englisch. Bin froh, wenn ich mal nicht muhend oder gackernd in einem Laden stehen muss, um zu erkl\u00e4ren, was ich m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg bin ich dann doch im Obst- und Gem\u00fcsetempel vorbei, bei dem ich allerdings inzwischen auch schon gelernt habe, dass er versteckte Fallen beherbergt und man etwas achtsam sein muss. Vor allem mit den unterschiedlichen Preisen. Zu den Cashewkernen wollte ich noch Suppengr\u00fcn kaufen, denn derart teure und gl\u00fcckliche  H\u00fchnerschenkelchen d\u00fcrfen nicht ungenutzt bleiben und auf die Frage, ob ich eine Suppe draus machen wolle, habe ich nat\u00fcrlich eifrig genickt. Eine R\u00fcbe und ein St\u00e4ngelchen hatte ich schon, fehlten also nur noch Zwiebeln, die ich eh kaufen wollte. Einzeln gab es die unterschiedlichsten, aber in einem praktischen Netz wie bei uns nur eine Sorte. Also dann die. An der Kasse musste ich mein St\u00e4ngelchen Sellerie tats\u00e4chlich wiegen (muss ich in Rom NIEMALS und auch die R\u00fcbe nicht!!!) und dann war gro\u00dfe Verwirrung, was wohl die Zwiebeln kosten. Als die Kasse 9,95 zeigte, dachte ich mir, naja, werden wohl die Cashewkerne sein, aber dann stand auf einmal 13,61 da und auf dem Kassenzettel durfte ich dann lesen, dass ich die wohl exklusivsten Zwiebeln der Welt gekauft habe: Oignon de Roscoff. Hmpf. Habe mir zur Sicherheit gleich mal das Rezept auf der Innenseite aufgehoben. Man will sie ja nicht vergeuden und nur das Beste damit anfangen. In den K\u00fchlschrank d\u00fcrfen sie \u00fcbrigens auch nicht. Schade, den h\u00e4tte ich. Daf\u00fcr hat die Verpackung &#8211; wenn ich mich noch recht entsinne &#8211; eine \u00e4hnliche Farbe wie das Sofa, das ich leider immer noch nicht habe&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit heute morgen um sieben Uhr sitze ich wie eine Braut am Hafen vor dem Fenster und starre auf den Platz hinunter. Und eigentlich kann kaum eine Braut sehns\u00fcchtiger geschaut haben als ich. 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