{"id":4033,"date":"2018-02-14T12:44:20","date_gmt":"2018-02-14T12:44:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=4033"},"modified":"2018-02-15T07:20:06","modified_gmt":"2018-02-15T07:20:06","slug":"fuesse-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=4033","title":{"rendered":"F\u00fc\u00dfe hoch!"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben einen neuen Mitbewohner in Paris. Es ist ein Kobold. Und er treibt sehr selbst\u00e4ndig sein Unwesen. Eigentlich sollte er saugen, aber er tut noch viel mehr. Er weckt in uns ungeahnte Gef\u00fchle. Von R\u00fchrung, wenn er vor brummend verschlossener T\u00fcre steht, weil er nach dem Auftanken wieder munter ist und wir ihn aber inzwischen vergessen haben \u00fcber Schreck, weil er eben aufgewacht ist und wieder seinen Dienst aufnimmt und auf einmal r\u00f6hrend vor uns steht bis hin zu Heiterkeit, wenn er sich in unseren Garderobenst\u00e4nder verliebt hat und gar nicht mehr von ihm runter m\u00f6chte. Mein Mann ist technischen Neuerungen gegen\u00fcber sehr aufgeschlossen und verf\u00e4hrt stets nach dem Motto, dass es besser ist, ein anderer macht einfache Routineaufgaben. Er entwirrt derweil lieber internationale Verstrickungen, liest oder schl\u00e4ft ein wenig. Ich bin da einfacher gestrickt. Bevor ich mich mit so einem sauteuren Ding und all seinen Unzul\u00e4nglichkeiten (davon gibt es eine Menge!!!!) aussetze, sauge ich lieber in zehn Minuten einmal durch. Ich muss auch keine melodramatische Pause nach 45 Minuten einlegen, sondern schaffe es wie gesagt in zehn Minuten. <\/p>\n<p>In dieser Zeit kann ich \u00fcber dieses und jenes nachgr\u00fcbeln und habe anschlie\u00dfend ein gutes Gef\u00fchl. Und ja, ich geh\u00f6re zu den seltenen Menschen der Neuzeit, die ohne eine Haushaltshilfe leben k\u00f6nnen, ja sogar lieber ohne sie leben. Das hat viele Gr\u00fcnde. Einer davon hei\u00dft Gabriella. Gabriella war und ist vielleicht sogar noch die Schwiegermutter unseres ersten Pf\u00f6rtners in Rom, Claudio. Claudio war der Vorg\u00e4nger von Massimo und machte seinem Beruf nicht viel Ehre. Er war etwas antriebslos, aber vielleicht wird man mit einer solchen Schwiegermutter ja automatisch so. Verstehen k\u00f6nnte ich es. Gabriella also kam in den ersten Wochen meiner Zeit in Rom. Ich war jung, frisch verheiratet, ver\u00e4ngstigt und hatte keinerlei Erfahrung mit Haushaltshilfen (meine Mutter hatte jemanden, aber auch sie hat fluchtartig das Haus verlassen, wenn sie kam und der Tag vorher war ein Horror f\u00fcr uns, weil wir alles picobello aufr\u00e4umen und saubermachen mussten!). Sie kam einmal die Woche und wenn ich es nicht schon von Anfang an getan h\u00e4tte, h\u00e4tte ich diese Tage f\u00fcrchten gelernt. Irgendwo habe ich mal gelesen, den Umgang mit Personal m\u00fcsse man mit der Muttermilch aufsaugen. Das habe ich definitiv nicht und ich f\u00fcrchte, ich werde es auch nicht mehr. Gabriella sollte es mir nicht gerade einfacher machen. Sie kam mit lauter Stimme, nahm Ma\u00df, erkannte, dass sie mit mir prima Schlitten fahren konnte und verspr\u00fchte Reinigungsmittel in rauen Mengen. Wasser und Muskelkraft spielten bei ihrer Putzroutine eine sehr untergeordnete Rolle. Daf\u00fcr forderte sie w\u00f6chentlich mehr und speziellere Mittel, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und einen Gro\u00dfteil meiner Kleidung.<\/p>\n<p>Ich war ihr ausgeliefert und hatte fortan nur noch einen Gedanken: wie werde ich sie nur wieder los?? Man muss wissen, dass ich zu dieser Zeit ziemlich respektable Projekte mit ziemlich vielen freien Mitarbeitern durchgef\u00fchrt, um nicht zu sagen: durchgezogen habe. Kein Vorstand, keine hundertseitige Datentabelle haben mich so in Angst und Schrecken versetzt wie die stra\u00dfenkampferprobte und bauernschlaue Gabriella. Sie war frech wie ich es nicht kannte, anma\u00dfend und unversch\u00e4mt. Es war ihr mit meiner H\u00f6heren-T\u00f6chter-Schulausbildung einfach nicht beizukommen. Freundlichkeit war f\u00fcr sie Schw\u00e4che und Nachsicht die schiere Idiotie, die es auszunutzen galt. Nun haben wir in Paris auch wieder ein Concierge-Paar und hier versuche ich von Anfang an, neutral und herrschaftlich zu sein. Ganz ist mir das bisher noch nicht gelungen und Pretty, so hei\u00dft die Concierge-Gemahlin, schaut mich schon jetzt fragend-mitleidig an und gibt mir zu verstehen, dass wir nur Freundinnen werden, wenn ich mich ergebe und sie einstelle und ihr ganz viel Putzzeugs kaufe. Schon am ersten Tag teilte sie mir mit, dass ich eine Liste bek\u00e4me, was ich zu kaufen h\u00e4tte. Ich str\u00e4ube mich. Und trainiere stattdessen lieber unseren kleinen Kobold, der leider unter einer Art Staubsauger-ADHS leidet und sich &#8211; egal, wo ich ihn absetze und wir haben hier wirklich viel Platz und leider keine M\u00f6bel &#8211; bockig in einem Eck verkeilt. Wie sch\u00f6n war es, als ich noch selbst saugen durfte!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben einen neuen Mitbewohner in Paris. Es ist ein Kobold. Und er treibt sehr selbst\u00e4ndig sein Unwesen. Eigentlich sollte er saugen, aber er tut noch viel mehr. Er weckt in uns ungeahnte Gef\u00fchle. 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