{"id":3974,"date":"2017-10-21T05:11:38","date_gmt":"2017-10-21T05:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3974"},"modified":"2017-10-21T05:13:04","modified_gmt":"2017-10-21T05:13:04","slug":"hurra-basalganglien-ueberlistet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3974","title":{"rendered":"Hurra! Basalganglien \u00fcberlistet!"},"content":{"rendered":"<p>Es soll ja Menschen geben, die gro\u00dfes Vergn\u00fcgen und Befriedigung daran finden, ihre Wohnung andauernd neu zu gestalten, neu einzurichten oder zu ver\u00e4ndern. Dass ich nicht zu ihnen z\u00e4hle, wei\u00df ich nicht erst seit gestern. Ich bin bequem und sch\u00e4tze die Best\u00e4ndigkeit. Damit verhalte ich mich genau so wie die Natur es vorgesehen hat. Unser Gehirn &#8211; wir sprachen schon einige Male dar\u00fcber &#8211; sch\u00e4tzt die Best\u00e4ndigkeit und Routine und trachtet nach ihr. Alles soll m\u00f6glichst schnell zum Standardprozess werden und vereinfacht werden, damit man m\u00f6glichst wenig Energie damit vergeudet. \u00dcber Routine muss man nicht nachdenken, sie l\u00e4uft energiesparend mit und es bleibt deutlich mehr Zeit f\u00fcr die Imponderabilien des Lebens wie S\u00e4belzahntigerangriffe, die sich ja selten ank\u00fcndigen, abzuwehren oder sich eine neue Wintergarderobe zuzulegen. So weit, so gut. <\/p>\n<p>Wohnungen und ihre Einrichtungen, au\u00dfer man lebt auf einem Schloss und hat ein Heer an guten Seelen um sich herum, tendieren dazu, in die Jahre zu kommen und damit auch nicht sch\u00f6ner. So war es mit meiner Wohnung. Seit vielen vielen Jahren lag sie mir wie ein Fels auf der Seele. War sie vor achtzehn Jahren ein triumphaler Befreiungsschlag und der innenarchitektonische Antagonist zum m\u00fctterlichen Elternhaus, hatte sie auch doch viele, viele Provisorien, die ich plante, m\u00f6glichst schnell durch ausget\u00fcftelte L\u00f6sungen auszutauschen. Aber oh weh, ich hatte auch hier die Rechnung ohne meinen perfekt energiesparenden K\u00f6rper und Geist gemacht. Bemalte Nachtk\u00e4stchen blieben ebenso erhalten wie eine sentimental aus dem Speicher entliehene bemalte Holztruhe. Dadurch, dass wir nicht oft und auch nicht lange vor Ort waren, lie\u00df sich damit &#8211; zwar mit einem Grummeln &#8211; leben. Aber es war immer da. Dieses &#8222;ich m\u00fcsste mal, ich sollte dringend&#8220;. Und die Angst davor. Denn Angst droht &#8211; stellt man sich ihr nicht entgegen &#8211; aufs Gemeinste ihre Macht auszudehnen, zu chronifizieren. <\/p>\n<p>Warum es dann so weit war, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen. Es begann damit, dass ich \u00e4lter wurde und auf die Schnelle ein Gemeinschaftsgeschenk aus dem Hut zaubern musste, wollte ich nicht mit reichlich Schals oder Coffeetable-Books beschenkt werden. Ich habe mich ohne gro\u00df dar\u00fcber nachzudenken, f\u00fcr einen Tisch entschieden, den ich bei Freunden gesehen hatte und der von einem Schreiner gefertigt wurde. Im Hinterkopf war mir klar: dieser Tisch zieht einen Rattenschwanz nach sich. Und zum Gl\u00fcck hat er das. Und so kann ich heute wahnsinnig stolz von meiner neuen Couch inmitten einer Baustelle berichten: Ich habe meine Baselganglien und meine D\u00e4monen gestellt und &#8211; wie es aussieht &#8211; besiegt. Denn was f\u00fcr andere etwas Normales, Nettes, Allt\u00e4gliches ist, bedeutet f\u00fcr mich etwas anderes, Gr\u00f6\u00dferes. Die Aufgabe von Sicherheit und das Hineinh\u00fcpfen in etwas Neues. Das \u00fcbrigens keineswegs schlechter, nein eher viel besser und passender ist. Ich bin stolz auf mich. Und ich freue mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es soll ja Menschen geben, die gro\u00dfes Vergn\u00fcgen und Befriedigung daran finden, ihre Wohnung andauernd neu zu gestalten, neu einzurichten oder zu ver\u00e4ndern. Dass ich nicht zu ihnen z\u00e4hle, wei\u00df ich nicht erst seit gestern. Ich bin bequem und sch\u00e4tze die Best\u00e4ndigkeit. Damit verhalte ich mich genau so wie die Natur es vorgesehen hat. 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