{"id":3963,"date":"2017-10-04T10:08:16","date_gmt":"2017-10-04T10:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3963"},"modified":"2017-10-05T08:11:31","modified_gmt":"2017-10-05T08:11:31","slug":"es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3963","title":{"rendered":"Es"},"content":{"rendered":"<p>Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich werde \u00e4ngstlich. Bin ich fr\u00fcher noch alleine in Santa Barbara an verlassene Str\u00e4nde gegangen, mit dem Greyhound durch Kalifornien gereist oder mit wildfremden M\u00e4nnern an verlassene Baggerseen, denke ich heute dr\u00fcber nach, ob das Joggen im Wald um sechs Uhr abends wirklich so eine brillante Idee ist und ob man sich lieber dem Unwillen des Taxifahrers wegen der kurzen Strecke aussetzt als an vermummten Gestalten vorbei nach Hause l\u00e4uft. Wieso ist das so? Hat das mit zunehmender Erfahrung, mit \u00dcberfremdung oder den Medien zu tun? Ich hab mir fr\u00fcher exakt gar nichts gedacht, wenn ich irgendwo jemanden mit den H\u00e4nden in der Tasche, gesenktem Kopf und Kapuzenpulli gesehen habe. Seit meine Mutter mich auf Kapuzenshirttr\u00e4ger aufmerksam gemacht hat, finde ich sie nun ebenfalls in vielerlei Hinsicht bedenklich. Modisch sowieso, entwicklungspychologisch in jedem Fall und eigentlich auch einfach generell so, als h\u00e4tten sie etwas zu verbergen&#8230;.<\/p>\n<p>Ein Buch hingegen ist verantwortlich daf\u00fcr, dass ich &#8211; wie sehr, sehr viele andere aus meiner Generation &#8211; keinen Clown mehr ohne Hintergedanken betrachten kann. Den von Mc Donalds schon drei Mal nicht. Als ich ungef\u00e4hr 16 war, habe ich n\u00e4mlich ein dickes, gro\u00dfes rotes Taschenbuch gelesen. &#8222;Es&#8220;. Es ist das Buch, bei ich mich vor dem Umbl\u00e4ttern gef\u00fcrchtet habe und das ich &#8211; abgesehen von Clowns und seinem wahrlich grusligen Inhalt &#8211; auch wegen einer Tierqu\u00e4lerei nicht mehr gelesen habe. Ich habe diese nat\u00fcrlich sofort \u00fcberbl\u00e4ttert, aber nachdem das Auge bedauerlicherweise eine kurze Zeitspanne braucht, um das Gelesene im Gehirn ordentlich verarbeiten zu lassen, hab ich eben nicht schnell genug weitergebl\u00e4ttert&#8230;Bl\u00f6d. Nun jedenfalls ist die Neuverfilmung dieses Buches in den Kinos zu sehen und kaum einer, der keine Meinung dazu hat. Es ist ein Werk, das meine Generation verbindet, mehr noch als abendliches Schweinchen-Dick-Schauen oder Bonanza oder Dallas. Mir war gar nicht klar, dass ich mit meiner gro\u00dfen Angst nicht alleine war, sondern sich vermutlich nur niemand getraut hat, dar\u00fcber zu reden. Erstaunlich.<\/p>\n<p>Gestern Abend, auf dem Weg zu meinem Steuerberater und einem Glas Wein, bin ich jedenfalls meinem Nachbarn begegnet, der ein recht mysteri\u00f6ses Ansehen in unserer spie\u00dfigen Wohngemeinschaft hat. Vieles wird \u00fcber ihn und seine sehr scheue blonde Frau gemunkelt und eines eint uns alle fast wie das gemeinsame Grauen vor Faltb\u00f6tchen, die in Gullys verschwinden: der \u00c4rger dar\u00fcber, dass er als einziger sein Auto immer auf dem Kurzzeitparkerplatz abstellt und sich hartn\u00e4ckig weigert, einen anzumieten (den Kinderwagen, das Kinderfahrrad und alles, was man sonst vor einem kleinen Reihenhaus abstellen w\u00fcrde, hat er zu unserem \u00c4rger immer im Hausflur deponiert). Man begegnet ihm also mit einem gewissen Misstrauen. Gestern aber, als ich ihn gegen acht Uhr in Laufkleidung gesehen habe, hab ich ihn gefragt, ob er jetzt noch laufen ginge. Ja, sagt er. Und als ich meinte, das sei wahrlich der Unterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen, sagte er: er habe eine Winterrunde und nichts auf der Welt k\u00f6nne ihn bei Dunkelheit in den Wald bringen und ob ich &#8222;Es&#8220; kenne? Na klar, sag ich, einfach schrecklich, hab heute noch Angst vor Clowns. Und dann erz\u00e4hlt er mir, dass er neulich im Keller war und das Licht ausgegangen ist und er sich so f\u00fcrchterlich gef\u00fcrchtet hat und v\u00f6llig au\u00dfer Atem in seiner Wohnung angekommen ist. Soll er doch auf dem bl\u00f6den Parkplatz stehen. Er ist einer von uns!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich werde \u00e4ngstlich. 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