{"id":3756,"date":"2017-04-16T08:45:12","date_gmt":"2017-04-16T08:45:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3756"},"modified":"2017-04-17T09:19:36","modified_gmt":"2017-04-17T09:19:36","slug":"scheinheiligkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3756","title":{"rendered":"Scheinheiligkeit"},"content":{"rendered":"<p>Einen guten Monat war ich nicht in Rom. In der Zwischenzeit ist mein Oleander nicht mehr beleidigt und knospt wieder, was mich sehr froh macht, die Baustelle unter unserer Wohnung scheint sich in den Endz\u00fcgen zu befinden und viele, viele einst gef\u00e4hrlich l\u00f6chrige Stra\u00dfen sind neu asphaltiert. Ich bin bereit, dies v\u00f6llig unserer zauberhaften B\u00fcrgermeisterin Raggi anzuh\u00e4ngen. Weil sie eine Frau ist und damit pragmatisch. Sie schreibt sich nicht irgendwelche nie zu erreichenden hehren Ziele auf die Fahne, sondern f\u00e4ngt dort an, wo auch wirklich etwas zu erreichen ist. Das mag dann nicht so spektakul\u00e4r sein wie ein Vorhaben alla &#8222;Ich mache Rom wieder zur Nummer eins unter allen St\u00e4dten&#8220;, aber es erleichtert den Menschen den Alltag, macht sie froh, rettet vielleicht auch Leben. Es hat etwas von Demut den kleinen Dingen gegen\u00fcber, ohne die gro\u00dfe Dinge gar nicht erst m\u00f6glich w\u00e4ren, von F\u00fc\u00dfewaschen bei Mafiosi oder von kleinen freundlichen Gesten im Alltag. M\u00e4nner m\u00f6gen solche Gesten nicht immer so gerne. Sie sind nicht spektakul\u00e4r und effekthascherisch genug, um zu gefallen. Im Stillen wirken ist nicht jedermanns Sache. <\/p>\n<p>Wer WhatsApp hat, ist auch oft in WhatsApp-Gruppen. Das liegt in der Natur der Sache. Das hat viele Vorteile. Man muss nicht jeden Einzelnen anschreiben, um eine Verabredung festzuzurren und lernt ganz nebenbei auch noch seine Mitmenschen besser kennen. Da schreibt zum Beispiel einer, dass in seinem Hotel vier Hundewelpen ausgesetzt wurden und ob nicht einer zuf\u00e4llig einen unterbringen k\u00f6nnte, er selbst w\u00fcrde einen mitnehmen. Um kurz vor Mitternacht kommt dann die gro\u00dfe Moralkeule , ob man denn auch alle afrikanischen Kinder adoptieren w\u00fcrde oder gar selbst hinf\u00fchre, sich um sie zu k\u00fcmmern. B\u00e4ng. Gro\u00df rausgekommen, Gutmenschentum unter Beweis gestellt, einem, der ganz harmlos und nebenbei entschlossen ist, eher was Gutes als gar nichts zu tun, eine \u00fcbergebraten und all das, ohne auch nur einen Finger gekr\u00fcmmt zu haben. Vermutlich noch nach einer Flasche Wei\u00dfwein vom Sofa aus. Ich habe ziemliche Probleme mit solchen Menschen. Menschen, die nichts tun als die Taten anderer klein zu reden, die es nicht sehen k\u00f6nnen, wenn andere auch etwas leisten. Das ist das Gegenteil von gut in meinen Augen und hemmt wie ein b\u00f6ses Perpetuum Mobile den Kreislauf des Guten.<\/p>\n<p>Wenn wir an einem Tag wie diesem &#8211; Ostern, dem Tag der Auferstehung &#8211; bleiben, ist es auch unchristlich. Denn letztlich z\u00e4hlen Taten, wie klein auch immer und nicht bl\u00f6des, unn\u00fctzes Daherreden. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es ganz wunderbar, mit einem Satz alles Elend auf der Welt zu beheben, aber gar nichts zu tun oder das Engagement anderer zu verh\u00f6hnen oder zu schm\u00e4lern, nur weil man selbst den Arsch nicht hochkriegt und sich \u00e4rgert, dass ein anderer besser ist, macht mich sehr zornig. Das muss schon jedem selbst \u00fcberlassen bleiben, wof\u00fcr er sich engagiert, solange er damit was Gutes tut. Denn letztlich zieht das Gute immer seine Kreise &#8211; egal, wo es seinen Anfang genommen hat. Sicher beginnt es nicht mit b\u00f6sartigen Kommentaren von einem Sofa aus. Eher mit dem Asphaltieren von Stra\u00dfen und dem Adoptieren von kleinen Hunden. Frohe und t\u00e4tige Ostern w\u00fcnsche ich allerseits!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen guten Monat war ich nicht in Rom. In der Zwischenzeit ist mein Oleander nicht mehr beleidigt und knospt wieder, was mich sehr froh macht, die Baustelle unter unserer Wohnung scheint sich in den Endz\u00fcgen zu befinden und viele, viele einst gef\u00e4hrlich l\u00f6chrige Stra\u00dfen sind neu asphaltiert. 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