{"id":3729,"date":"2017-04-02T16:02:20","date_gmt":"2017-04-02T16:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3729"},"modified":"2017-04-03T07:33:19","modified_gmt":"2017-04-03T07:33:19","slug":"alte-griechen-rotzige-eichhoernchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3729","title":{"rendered":"Alte Griechen, rotzige Eichh\u00f6rnchen"},"content":{"rendered":"<p>So! Kennt jemand die Kitkat-Werbung mit den Pandab\u00e4ren? Die, bei der ein Fotograf einen ganzen Tag lang vor einem Pandagehege auf der Lauer liegt, um die bl\u00f6den B\u00e4ren zu filmen? Und als er sich dann einmal ersch\u00f6pft umdreht, fahren sie hinter seinem R\u00fccken auf Rollschuhen hin und her und machen Kunstst\u00fccke. Und ganz genau so ist es mir heute gegangen. Nur mit einem oder zwei Eichh\u00f6rnchen. Schon den ganzen Morgen, als mir der Sinn wahrlich noch nicht nach Akrobatik gestanden ist, haben ein oder zwei Eichkater die B\u00e4ume unsicher gemacht. Sind aufreizend langsam \u00c4ste auf- und abgewandert und haben lange und possierlich an gut einsehbaren Orten verweilt. Da ich den gesamten Winter mit dem Teleobjektiv neben mir am Schreibtisch verbracht hatte, nur um eine gute Serie zu machen, dachte ich, hat ja ja eh keinen Sinn, denn bis ich die Kamera schussbereit hab, sind die Biester l\u00e4ngst wieder in ihren Astl\u00f6chern. Ich habe sozusagen v\u00f6llig losgelassen und auch die kleinen Gedanken in meinem Hinterkopf verbannt, dass nun einer der letzten Tage sei, an denen solche Aufnahmen noch m\u00f6glich sein d\u00fcrften. Man kann den Bl\u00e4ttern vor dem Balkon n\u00e4mlich beim Wachsen zuschauen und damit sind dann auch die Eichh\u00f6rnchen f\u00fcr eine lange Zeit wieder unsichtbar. Aber egal, ich war gelassen.<\/p>\n<p>Beim Mittagessen &#8211; zum ersten Mal drau\u00dfen \u00fcbrigens &#8211; ist ein anderer (laut meinem Mann) Eichkater hin- und hergerast. Ich war immer noch ganz cool und habe ihm meine \u00dcberzeugung diesbez\u00fcglich erl\u00e4utert. Dann hab ich mich an meine Lieblingsfilme auf ARTE erinnert, wo Naturforscher stundenlang ein Mauseloch bewachen und gleich darauf bekam ich wundersch\u00f6ne Storchenaufnahmen von meiner Mutter geschickt. Also gut, also gut, hab ich mir gedacht, dann hol ich jetzt den Foto, schraub das Tele drauf und lege mich auf die Lauer. Und was soll ich sagen? Alle Eichh\u00f6rnchen wie vom Erdboden verschluckt. In der Zwischenzeit hab ich in der Sonne gelegen, gelesen, ein Schl\u00e4fchen gemacht, geb\u00fcgelt, einen Film gesehen und was man halt an einem Sonntag so macht. Kein Eichh\u00f6rnchen. Ich k\u00f6nnte schw\u00f6ren, dass wenn ich meine Ausr\u00fcstung rein bringe, die Eichh\u00f6rnchen aufatmend all die Kunstst\u00fccke turnen, die sie sich in den vergangenen Stunden in ihren doofen H\u00f6hlen ausgedacht haben. Wenigstens bleibt mir die Schadenfreude, dass es da drin recht warm und stickig gewesen sein muss. <\/p>\n<p>Welche Wahnsinnsnaturgesetze sind es, die sowas geschehen lassen? Die Busse l\u00e4nger aufhalten, wenn man auf sie wartet? Die Ampeln, die immer rot sind, auf gr\u00fcne Welle schalten, wenn man sich einmal den Lippenstift nachlegen m\u00f6chte? Die Kassenschlangen, die k\u00fcrzer sind als alle anderen, mit dem einzigen Kunden versehen, der zuerst bar zahlen m\u00f6chte, dann das Geld nicht hat, dann mit EC-Karte und dann seine Geheimzahl nicht kennt? Oder mit einem, der eine Fl\u00fcssigzitrone ohne Etikett nimmt? Liegt das wirklich an der eigenen Wahrnehmung? Oder doch an den b\u00f6sartigen Eichh\u00f6rnchen? Es geschieht ja recht h\u00e4ufig, dass verschiedene Menschen dieselbe Situation v\u00f6llig unterschiedlich erleben und dieses Ph\u00e4nomen hat schon der griechische Philosoph Epiktet benannt: Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht der Dinge, bzw. wie wir sie bewerten. In dieser ganz speziellen Situation f\u00e4llt es mir sehr schwer, das Verhalten der Eichh\u00f6rnchen anders zu betrachten als als das, was es letztlich ist: eine bodenlose Frechheit!<\/p>\n<p>NACHTRAG: Das war der 600. Beitrag!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So! Kennt jemand die Kitkat-Werbung mit den Pandab\u00e4ren? Die, bei der ein Fotograf einen ganzen Tag lang vor einem Pandagehege auf der Lauer liegt, um die bl\u00f6den B\u00e4ren zu filmen? Und als er sich dann einmal ersch\u00f6pft umdreht, fahren sie hinter seinem R\u00fccken auf Rollschuhen hin und her und machen Kunstst\u00fccke. 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