{"id":3676,"date":"2017-03-01T06:46:16","date_gmt":"2017-03-01T06:46:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3676"},"modified":"2017-03-04T14:15:12","modified_gmt":"2017-03-04T14:15:12","slug":"also-wirklich-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3676","title":{"rendered":"Also wirklich"},"content":{"rendered":"<p>Auch unsere Lieblingsstadt Rom kann einen auf die Probe stellen. Zum Beispiel mit \u00e4u\u00dferst schwierigem Wetter. W\u00e4hrend in Deutschland &#8211; angeblich &#8211; die Sonne auf Karnevalisten aller Art niedergebrannt ist, schlagen wir uns hier mit Regen und vor allem grauem Himmel rum. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das zum letzten Mal erlebt habe. Besonders \u00e4rgerlich ist das nat\u00fcrlich, wenn man selbst daf\u00fcr verantwortlich ist. Ich h\u00e4tte es wissen m\u00fcssen, als ich kurz nach der Ankunft mein Auto fast schon zwanghaft zu Michele zwecks Reinigung gefahren habe. Die folgenden Tage verbrachten wir in steter Sorge, dass bei einem unserer kurzen Streifz\u00fcge dicke Tropfen auf das blanke schwarze Gef\u00e4hrt fallen k\u00f6nnten. Bis es uns gestern dann v\u00f6llig wurscht war und wir zu unseren Streifz\u00fcgen aufgebrochen sind. Zuerst zu Ivan, dem Fischh\u00e4ndler. Auf dem Weg dorthin habe ich meine Mutter schonend darauf vorbereitet (sie lehnt Ver\u00e4nderungen in diesem Ausma\u00df eher ab), dass wir uns vielleicht einen neuen Fischverk\u00e4ufer suchen m\u00fcssten. Ivan war die letzten Male nie mehr im Laden und bis ich seinen Bruder an mich gew\u00f6hnt haben werde, dauert mir das zu lange. Ich bin einfach zu selten da und muss auf die Treue der vergangenen Jahre z\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einen Fisch wollten wir dennoch. Also bin ich schon etwas wehm\u00fctig angesichts des drohenden Abschieds hinein und war \u00e4u\u00dferst positiv \u00fcberrascht: die Theke war so gro\u00df wie zu unseren besten Zeiten, Fische aller Art lagen geschichtet \u00fcbereinander (Acqua fredda porta buon pesce, kaltes Wasser bringt guten Fisch), Toni (so der Name des Bruders, wie ich kurz darauf erfahren sollte) stand mit geraffter Sch\u00fcrze da und blinkte mich freundlich an &#8211; gar nicht soooo schlecht. Wir haben kurz geplaudert, vor allem auch dar\u00fcber, dass Ivan wohl gar nie mehr in seinem Laden vorbeischaut und schwupps stand er hinter mir. Und schwupps lagen wir uns gl\u00fccklich in den Armen. Wenn man sich so selten sieht, merkt man erst, wie gerne man sich mag. Was war das f\u00fcr ein Wiedersehen. Und dann erz\u00e4hlte er mir eine Geschichte, bei der ich gemerkt habe, dass ich entweder sauvergesslich oder \u00fcberhaupt nicht nachtragend bin. Seine langj\u00e4hrige Mitarbeiterin &#8211; keine Ahnung, wie sie hie\u00df &#8211; ist n\u00e4mlich seit geraumer Zeit nicht mehr da. Und in diesem Zusammenhang hat er sich ganz arg und oft bei mir entschuldigt, dass sie mich vor einiger Zeit darauf angesprochen hatte, dass ich mit einem falschen Zwanziger bezahlt h\u00e4tte. Wer kann sowas ahnen? W\u00fcrde ich Geld f\u00e4lschen, hielte ich mich sicher nicht mit blauen Scheinen auf. Soviel steht mal fest.<\/p>\n<p>Ich hab das gleich wieder vergessen, weil ich mir absolut keiner Schuld bewusst war, aber er fand es skandal\u00f6s, eine seiner treusten und brav zahlensten Kundinnen &#8211; im Nachhinein &#8211; so anzugehen. Und jetzt, wo er es sagt, finde ich es eigentlich auch skandal\u00f6s. Nun, jedenfalls haben wir einander wieder, keiner muss sich umgew\u00f6hnen und alles ist gut. Dann sind wir weiter zu einem Einkaufszentrum, das uns sintemal viel Freude bereitet hat, denn f\u00fcr Stadtbummel oder Sightseeing war das  Wetter eindeutig zu schlecht. Was uns dort erwartet hat, hat betroffen gemacht. W\u00e4ren wir in S\u00fcdindien in so ein Viertel gesto\u00dfen, h\u00e4tten wir gesagt: naja, ist ja klar, ist ein armes Land, aber in Europa?? Die Stra\u00dfen war so kaputt, dass sich die Via Appia Antica dagegen wie eine Autobahn f\u00e4hrt, Stra\u00dfen- oder Hinweisschilder gab es nicht und als wir es dann endg\u00fcltig gefunden hatten, war die Auswahl der Gesch\u00e4fte so sch\u00e4big und billig, dass einem Angst und Bange um die Menschheit werden m\u00f6chte. Alles billig, h\u00e4sslich und kurzlebig. Nur Fastfoodketten und dementsprechend nur Menschen mit Kopfh\u00f6rern, Kapuzenjacken und Turnschuhen. Ein echtes Elend. Ist es das, wof\u00fcr man arbeiten geht? Sich von Montag bis Freitag plagt? Um in einem solchen Zentrum billige Ware zu kaufen? Wir waren schockiert. Und dann hatte der bl\u00f6de Wind auch noch Saharasand in die Atmosph\u00e4re \u00fcber Rom geweht und zusammen mit dicken Tropfen \u00fcber meinem Auto fallen lassen. Bin echt bedient. Abends gab es dann Fisch. Der war gut. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch unsere Lieblingsstadt Rom kann einen auf die Probe stellen. Zum Beispiel mit \u00e4u\u00dferst schwierigem Wetter. W\u00e4hrend in Deutschland &#8211; angeblich &#8211; die Sonne auf Karnevalisten aller Art niedergebrannt ist, schlagen wir uns hier mit Regen und vor allem grauem Himmel rum. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das zum letzten Mal erlebt habe. 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