{"id":3642,"date":"2017-02-08T07:42:57","date_gmt":"2017-02-08T07:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3642"},"modified":"2017-02-08T07:48:37","modified_gmt":"2017-02-08T07:48:37","slug":"ein-%c2%b5-voraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3642","title":{"rendered":"Ein \u00b5 voraus?"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr uns Menschen der Moderne, der Gegenwart, die wir Blogs schreiben, lesen, zum Mond fliegen und unseren M\u00fcll trennen, die wir die H\u00f6he des Cappuccinoschaums per Smartphone programmieren k\u00f6nnen und mit unseren Kindern auf Augenh\u00f6he diskutieren, gibt es trotz aller selbstbestimmten Vorteile &#8211; bei fast allen gleich &#8211; immer mal wieder den Moment v\u00f6lliger Demut. Mussten die Untertanen fr\u00fcher nolens, volens das Knie vor F\u00fcrst, K\u00f6nig, Diktator beugen &#8211; und sei er auch noch so ein garstiger, dicker kleiner Mann &#8211; so m\u00fcssen wir es heute vor den Menschen, die sich ein \u00b5 mehr mit der Technik auskennen als wir selbst. Ein \u00b5 bezeichnet \u00fcbrigens ein Millionstel. Abgesehen von \u00e4rgerlichen und v\u00f6llig willk\u00fcrlichen WLAN-Ausf\u00e4llen, bei denen s\u00e4mtliche psychologischen Kenntnisse und Erfahrungen im zust\u00e4ndigen Callcenter ben\u00f6tigt werden, um an den Stereotypen der scheinbaren Kundenfreundlichkeit nicht zu zerschellen und seinen Fall durchzubringen, gibt es auch Zusammentreffen und Kasuistiken im Netz, die es zu bew\u00e4ltigen gilt. Zum Beispiel, wenn sich durch eine neue E-Mail-Adresse im Eingangsbereich T\u00fcr und Tor f\u00fcr Potenzmittel, Millionengewinne und unendliche H\u00f6hepunkten auf dem heimischen Rechner \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Schwupps findet man sich morgens beim L\u00f6schen von 120 solcher E-Mails wieder und das, obwohl man mit einem Rechner arbeitet, der qua Definition spamfrei sein sollte. Egal. Sich noch dar\u00fcber aufzuregen w\u00e4re energetisch nicht mehr angemessen angesichts des gro\u00dfen \u00c4rgerpotenzials, das die ganze Angelegenheit bietet. Ein Besuch bei Apple ergab, man m\u00fcsse nur den E-Mail-Account umstellen und dann k\u00f6nnte das Telefon die \u00c4nderungen vom Rechner \u00fcbernehmen und das L\u00f6schen h\u00e4tte ein Ende, da die Einstellungen vom Rechner \u00fcbernommen w\u00fcrden. Prima. Nach langen Telefonaten mit dem Provider, einem \u00e4rgerlichen Gatten und viel weiterer Unbill ging dann irgendwie gar nichts mehr so richtig. Also beherzt zur\u00fcck zu Apple. Und dort nahm das Schicksal dann endg\u00fcltig seinen Lauf. Ver\u00e4ngstigt an einem Tisch sitzend und auf Peter wartend, fand ich mich neben einer jungen Frau wieder, angesichts deren Problematik meine scheinbar verschwindend gering war (was ich z\u00e4hneknirschend, aber nicht gerne zugegeben habe). Hatte ich Probleme mit Spams, die sich nicht als solche zeigen wollten und von alleine in ihren Ordner verschwinden wollten, hatte sie das Problem, dass die Technikwelt sie nicht mehr als sie selbst erkennen wollte. Wie in einem dieser schrecklichen Neuzeitkrimis.<\/p>\n<p>Sie hatte das Telefon von ihrem Lebensgef\u00e4hrten bekommen und dann haben sie sich getrennt (wohl nicht sehr freundlich oder gar einvernehmlich) und er hat ihr das Telefon genommen und es seiner neuen Freundin gegeben und nun kommt sie nicht mehr an ihre E-Mails und Telefonnummern dran und auch nicht an ihre Passw\u00f6rter und kann den Menschen in wiederum einem Callcenter nicht beweisen, dass sie es ist. Sehr unangenehm. Im direkten Vergleich hatte sie tats\u00e4chlich gewonnen. Peter, der zwischen uns wie ein beschwichtigender Vater hin- und herpendelte, erlitt angesichts der zu bew\u00e4ltigenden Probleme einen soliden Moment des Gr\u00f6\u00dfenwahns und dr\u00fcckte selbstherrlich viele Tasten an meinem Account, unter anderem auch die zum L\u00f6schen von zwei Accounts, die inaktiv waren (was ich wahnsinnig \u00fcbergriffig fand, aber nicht mehr in der Lage, es zu stoppen). Kurz und gut &#8211; kein Mensch m\u00f6chte von solchen Dingen auch noch zu lange in einem Blog lesen, wenn er sie mal gerade nicht selbst erlebt &#8211; das Problem war schlimmer als zuvor und ich sah keine andere M\u00f6glichkeit, als meine Mutter per WhatsApp zu bitten, mich sofort anzurufen, damit ich irgendwie heil wieder aus dieser Abh\u00e4ngigkeitsh\u00f6lle entfliehen konnte. F\u00fchle mich, als h\u00e4tte ein durch mein Dorf m\u00e4andernder Feldherr mir meine Lieblingsziege gestohlen.<\/p>\n<p>Nachtrag: Es ist mir jetzt gelungen, den Ursprungszustand durch Zufall halbwegs wieder herzustellen, allerdings habe ich alle Demut aufgebraucht und werde in n\u00e4chster Zeit unbarmherzig und gar nicht nachsichtig sein. Dies nur zur freundlichen Information. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr uns Menschen der Moderne, der Gegenwart, die wir Blogs schreiben, lesen, zum Mond fliegen und unseren M\u00fcll trennen, die wir die H\u00f6he des Cappuccinoschaums per Smartphone programmieren k\u00f6nnen und mit unseren Kindern auf Augenh\u00f6he diskutieren, gibt es trotz aller selbstbestimmten Vorteile &#8211; bei fast allen gleich &#8211; immer mal wieder den Moment v\u00f6lliger Demut. 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