{"id":3612,"date":"2017-01-15T09:25:37","date_gmt":"2017-01-15T09:25:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3612"},"modified":"2017-01-15T09:25:37","modified_gmt":"2017-01-15T09:25:37","slug":"stadt-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3612","title":{"rendered":"Stadt der Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte ja versprochen, den Gedanken \u00fcber vorurteilsbehaftete Sch\u00f6nheit bei einem  Abendessen mit einem sch\u00f6nen Mann weiter zu beleuchten. Im Prinzip eignet sich ein jeder Ort dazu, aber einer nach landl\u00e4ufiger Vorstellung vielleicht ganz besonders: Paris. Also dieses Paris ist doch immer wieder ein Mirakel. Stadt der Liebe? Statt der Liebe? Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der es einem so schmerzhaft bewusst wird, wenn man keinen Menschen an seiner Seite hat wie Paris. In der man die Hektik und Anonymit\u00e4t einer Gro\u00dfstadt schlechter aush\u00e4lt ohne einen anderen oder in der man h\u00e4ufiger nach dem Arm einer hoffentlichen Begleitperson greift wie in Paris. Deshalb, ja, es k\u00f6nnte durchaus die Stadt sein, in der einem die Liebe dankbar bewusst wird, wohingegen man sie in anderen, weniger gef\u00e4hrlichen St\u00e4dten eher selbstverst\u00e4ndlich hinnimmt. In der rauen K\u00fchle der Pariser Luft hingegen ist sie nicht nur ein w\u00e4rmende Kaschmirj\u00e4ckchen, vielmehr ein notwendiger Daunenparka. \u00dcber den man sich nicht minder freut, wenn es kalt ist als \u00fcber fluffige, kuschelige und federleichtes (farblich passende) Strickwaren bei einem Nachmittagsschokolade bei &#8222;Angelina&#8220;. Mein Verh\u00e4ltnis zu Paris ist zwiegespalten wie das einer Pariserin (hihihi). Ich bin superkritisch an den meisten Tagen und z\u00e4hneknirschend verliebt an den anderen. Dieses Wochenende entwickelt sich zu einem verliebten Paris-Wochenende. Trotz oder gerade wegen mancherlei drolliger Dinge, die vermutlich nur hier passieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nehmen wir einfach mal den Freitagabend: Unerwarteterweise hat mich mein Mann in ein immer ausgebuchtes Restaurant mehr oder weniger unter dem Eiffelturm gef\u00fchrt. Wir waren da schon mal im Sommer vor zwei Jahren (kurz nachdem ich mich schrecklich mit meinem Onilne-Befragungsdienstleister gezankt hatte und immer noch vibriert habe vor lauter \u00c4rger) und es war wundersch\u00f6n. Denn tats\u00e4chlich sieht man das Stahlkonstrukt zwar von fast jeder Stelle der Stadt &#8211; au\u00dfer aus einem der teuersten Restaurants in Paris, das sich eben gerade in der Spitze jenes Turms befindet -, aber es verliert auch dann nicht an Wirkung. Schon beim Betreten ist mir leider aufgefallen (ich finde es schlimm, dass mir so etwas auff\u00e4llt, aber dann darf man mich nicht so lange an der Garderobe warten lassen), dass das Datum auf der Begr\u00fc\u00dfungskarte nicht stimmt und der Teppich durchaus eine Grundreinigung vertragen k\u00f6nnte. Freitag, der 14. ist einfach nicht am Freitag, den 13. Das kann man drehen und wenden wie man will und es hat nichts mit Creation und &#8222;je ne sais quoi&#8220; zu tun. Das Essen war vorz\u00fcglich, nur etwas karg, so dass ich in meiner Not Butter bestellt habe. Damit haben wir uns dann sehr respektable Butterbrote geschmiert und feinsten Wein dazu geschl\u00fcrft. Herrlich. Das Dessert wollten wir sicherheitshalber woanders nehmen und sind kichernd in einem nach feuchter W\u00e4sche riechenden Taxi ins neu er\u00f6ffnete Ritz gefahren. Das hat f\u00fcr seinen Totalumbau immerhin f\u00fcnf Jahre gebraucht und entsprechend gespannt waren wir auch. Es liegt n\u00e4mlich genauso nahe, dass es durchaus eine Art Stammbar f\u00fcr besonders nette Abendbeginne oder -auskl\u00e4nge h\u00e4tte werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber wie gro\u00df war die \u00dcberraschung! Ein fast menschenleeres, blumenloses, totenstilles Ambiente hat uns empfangen. Die Bars seien im hinteren Fl\u00fcgel und nachdem wir einen Stra\u00dfenzug im Inneren des Hotels vorbei an zahlreichen Vitrinen gelaufen sind und uns zunehmend wie in einer Shoppingmall in einem arabischen Emirat gef\u00fchlt haben, konnten wir leises Gemurmel h\u00f6ren. Es kam aus zwei gegen\u00fcberliegenden R\u00e4umen, die erleuchtet und nett gestaltet waren, aber zum Einen voll und zum Anderen irgendwie deplatziert in dieser unbelebten Atmosph\u00e4re. Hat uns nicht gefallen. Hunger hatten wir aber dennoch. Und so sind wir also in einem spanischen\/italienischen Restaurant mit Bar gelandet, wo wir einen Teller mit feinstem Schinken Brot und zwei Gl\u00e4ser Rotwein bekommen haben. Satt, hochzufrieden und im sicheren Gef\u00fchl, der Stadt trotzdem das Beste abgetrotzt zu haben, sind wir heimgewankt. Gestern daf\u00fcr hielt ein noch viel sch\u00f6neres Restaurant die \u00dcberraschung bereit, so gut und fein zu sein, dass ich nur wieder an meinen k\u00fcrzlich geposteten Beitrag anschlie\u00dfen kann: keine Vorurteile gegen\u00fcber Sch\u00f6nheit. Weder bei Restaurants noch bei ausnehmend h\u00fcbschen Platzanweiserinnen oder Kellnern. Es ist einfach nicht fair. Und Paris gegen\u00fcber ist es vermutlich auch nicht fair, es zu verteufeln, nur weil es so eindrucksvoll sch\u00f6n ist. Halt auf eine ganz andere Art als mein Rom, das ich n\u00e4chste Woche nach einer Ewigkeit wieder sehen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte ja versprochen, den Gedanken \u00fcber vorurteilsbehaftete Sch\u00f6nheit bei einem Abendessen mit einem sch\u00f6nen Mann weiter zu beleuchten. 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