{"id":3585,"date":"2017-01-02T14:34:01","date_gmt":"2017-01-02T14:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3585"},"modified":"2017-01-02T14:34:01","modified_gmt":"2017-01-02T14:34:01","slug":"enrico-der-romantische-farmacista","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3585","title":{"rendered":"Enrico, der romantische Farmacista"},"content":{"rendered":"<p>Erst mal w\u00fcnsche ich Euch lieben Lesern da drau\u00dfen ein gl\u00fcckliches und gesundes Neues Jahr! Man soll es ja nicht verschreien und ich habe mich kaum noch getraut, es zu sagen, aber ich pers\u00f6nlich fand 2016 ein prima Jahr. Nat\u00fcrlich abgesehen von all den schrecklichen Dingen, die in der Welt passiert sind, aber die finden doch irgendwie immer statt oder nicht? Daran zu verzweifeln ist nicht hilfreich, weil man dann den Schwung f\u00fcr die eigene Welt, die, die man gestalten und formen kann, verliert. Durch das Aufsaugen der Taten von Irren stellt sich zwangsl\u00e4ufig irgendwann Wut oder Mutlosigkeit ein und beides ist ganz f\u00fcrchterlich. Ein kleines Panzerchen oder eine Fettschicht wie das die klugen Enten haben, ist sicherlich von gro\u00dfem Nutzen. Und unter dieser Fettschicht muss die Kraft f\u00fcr das, was man tun kann, lodern und darf nicht gef\u00e4hrdet sein. Der eigene Kreis, in den tagt\u00e4glich viele Menschen und Dinge eintreten m\u00f6chten, darf und muss gesch\u00fctzt und ja, auch verteidigt werden.<\/p>\n<p>Unser Jahr hat generell zwar etwas ruffelig geendet, aber letztlich sind die letzten Tage eines Jahres doch auch immer eine Zeit f\u00fcr Retrospektiven und Bilanzen und das w\u00fchlt auf und macht nachdenklich. Ich war recht zufrieden und stolz, aber nat\u00fcrlich auch nicht gefeit, mich gespiegelt zu bekommen. Am vorletzten Abend des Jahres, dem 30. hatten wir allerdings ein Erlebnis, das ich unter meine Federfettschicht schiebe und dort aufbewahre. Wir haben Enrico, den romantischen Apotheker aus Turin, respektive Venedig kennengelernt. Er kam in das Restaurant, das wir nach einigem Hin und Her (wir hatten beide nicht recht Hunger und dann findet man ja an jeder Osteria was auszusetzen) gefunden hatten. Meine Kriterien waren denkbar einfach: es musste ein Radicchio-Risotto geben, was &#8211; man m\u00f6chte es kaum glauben &#8211; in der Lagunenstadt gar nicht so einfach war. Gem\u00fctlich bei einem Glas Wein sa\u00dfen wir also da und \u00e4rgerten uns nur hin und wieder \u00fcber den k\u00fchlen Wind aus der T\u00fcre, die achtlose G\u00e4ste nicht schlie\u00dfen wollten. Dann kam ein Herr herein, ein Buch unterm Arm, schloss sorgf\u00e4ltig die T\u00fcr und wurde aufs Liebevollste begr\u00fc\u00dft: Buonasera dottore, come va? Der Dottere war offenkundig verst\u00f6rt und wusste nicht, wohin mit sich und seinem Buch und ehe ich mich versah, h\u00f6rte ich mich sagen: Venga da noi, kommen Sie zu uns! Er hatte so einen verst\u00f6rten Welpenblick, obwohl er schon um die 65 war.<\/p>\n<p>Etwas ratlos hat er sich also hingesetzt und ist dann sofort dem Charme meines Mannes erlegen. Wie leicht er zu verf\u00fchren ist, hat er uns dann (naja, nicht ganz gleich, musste schon ein wenig nachhelfen) erz\u00e4hlt. Also vor 40 Jahren, er kommt aus Turin, lernte er ein bildh\u00fcbsches M\u00e4dchen aus Udine kennen, das in Venedig lebte. Er, Sohn aus reichem Hause, sagte sich von den Eltern los und zog nach Venedig, um dort eine Apotheke zu er\u00f6ffnen. Sie, das undankbare, kurzsichtige junge Ding hat sich nach zwei Jahren von einem superreichen Araber verf\u00fchren lassen und hat Enrico sitzengelassen. Ihm hatte es aber inzwischen gefallen und ganz ehrlich, wer will mit so einer Geschichte im Nacken schon in die Heimat zur\u00fcck, nur um sich das h\u00e4mische Getuschel von neidischen Nachbarn und ver\u00e4rgerten Eltern anzuh\u00f6ren? Also ist er geblieben. Aber hat leider nie sein Gl\u00fcck gefunden. Ein Schweren\u00f6ter mag er wohl sein, aber jetzt ist er etwas alleine. Jedenfalls hat ihm der Abend so gut gefallen, dass ihm das Unm\u00f6gliche gelungen ist: er hat uns zum Essen eingeladen, ganz still und heimlich und mein Mann, der durch und durch ein Italiener ist, der sich in seinem eigenen Land schon gleich dreimal nicht einladen l\u00e4sst, hat sich still gef\u00fcgt. Wir werden ihn also sicher Ende dieses Jahres wiedersehen, um einen kleine Gegeneinladung anzubringen. War ein echt sch\u00f6ner Abend. Ist jetzt schon tief unter den Federn vergraben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst mal w\u00fcnsche ich Euch lieben Lesern da drau\u00dfen ein gl\u00fcckliches und gesundes Neues Jahr! Man soll es ja nicht verschreien und ich habe mich kaum noch getraut, es zu sagen, aber ich pers\u00f6nlich fand 2016 ein prima Jahr. 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