{"id":3570,"date":"2016-12-26T07:47:09","date_gmt":"2016-12-26T07:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3570"},"modified":"2016-12-26T07:48:26","modified_gmt":"2016-12-26T07:48:26","slug":"evakuierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3570","title":{"rendered":"Evakuierung"},"content":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck auf meinem Sofa, in meiner nicht gesprengten und gepl\u00fcnderten Wohnung kehrt nun auch bei mir der Weihnachtsfrieden ein. War das eine Aufregung. Aber wie die liebe Mare schon geschrieben hat: wir haben versucht, das Beste draus zu machen und ich darf sagen: gut ist&#8217;s gegangen. Wir waren supervorbereitet und haben uns zu jedem Zeitpunkt sicher und gut gef\u00fchlt. In ein Hotel zu gehen, war die beste Entscheidung \u00fcberhaupt und weil ich auch meine Liebsten dort verwahrt hatte, musste ich mich darum schon mal nicht sorgen. Und gerade, als ich f\u00fcr meinen Vater nach einem Zimmer gefragt hatte, kam die Nachricht: die Bombe ist entsch\u00e4rft. Wie beim Zigarettenanz\u00fcnden an der Bushaltestelle. Nun schreibt mir meine Mutter, die weltgewandt die weitere gebuchte und bezahlte Nacht im Hotel verbracht hat, dass sie gerade mit den Entsch\u00e4rfern fr\u00fchst\u00fcckt und so d\u00fcrften wir uns heute bei der verschobenen Acht-Kilo-Monstergans auch noch auf g\u00e4nsehautige Anekdoten freuen und k\u00f6nnen uns wohlig gruseln.<\/p>\n<p>Die Mischung der Menschen im Hotel war einzigartig. Da sa\u00df ein britisches P\u00e4rchen, sie mit dunkler Sonnenbrille und ansonsten alles in Glitzer mit ihrem kordhosengewandeten Gatten, der ihr ratlos und zunehmend verzweifelt immer wieder eine Limo gebracht hat, weil sie sich so gef\u00fcrchtet hat. Vermutlich war es ein Verwandter von ihr, der das Biest in unserer Stadt abgeworfen hat und sie hatte deshalb so viel Angst. Oder die scheue Nachbarin von meiner Mama, die mit keinem Menschen spricht und &#8211; so sagte sie &#8211; lieber wieder in die Wohnung umkehrt, als jemandem auf dem Weg zum Briefkasten zu begegnen. Mit uns musste sie sprechen, als wir die zweite Flasche Prosecco bestellt hatte und meine Mama zum ersten Mal in ihrem Leben ein Clubsandwich gegessen hatte. Etwas, das sie &#8211; auch unter Evakuierungsumst\u00e4nden &#8211; nicht wieder zu essen gedenkt. Kurzum, wir haben es uns wirklich nett gemacht, zumindest ich h\u00e4tte auch kleidungstechnisch noch etwas verweilen k\u00f6nnen, weil ich meine Lieblingskleider mitgenommen hatte (man wei\u00df ja nie) und ich bin gl\u00fccklich und dankbar, nicht nur \u00fcber den guten Ausgang, sondern auch daf\u00fcr, dass wir das \u00fcberhaupt so \u00fcberbr\u00fccken konnten. <\/p>\n<p>Wieder einmal muss ich feststellen, dass es sch\u00f6n ist, Hilfe angeboten zu bekommen und wenn man alles getan habe, um sich selbst zu helfen, ist es wundersch\u00f6n, sie anzunehmen. Andere in ihrer Lebensf\u00fchrung m\u00f6glichst wenig zu beeinflussen, halte ich jedoch nach wie vor f\u00fcr einen Garant f\u00fcr Gl\u00fcck und wenn man sich m\u00f6glichst lange den Luxus erhalten kann, Dinge freiwillig zu tun und nicht, weil man sie muss, dann sollte man das genie\u00dfen. Ich jedenfalls werde heute sehr freiwillig unser G\u00e4nselein (hihihi) genie\u00dfen und ganz viel Champagner auf die Entsch\u00e4rfungshelden und die Organisatoren meiner lieben kleinen Stadt trinken. Denn bei allem Gemaule \u00fcber alles Provinzielle und manchmal Kleingeistige bleibt als Ergebnis stehen: Die Stadt hat eine Mammutaufgabe unter besonderen Umst\u00e4nden, innerhalb k\u00fcrzester Zeit und mit unglaublicher Umsicht und Sorgfalt bravour\u00f6s gemeistert. Ich bin sehr stolz auf mein Augsburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck auf meinem Sofa, in meiner nicht gesprengten und gepl\u00fcnderten Wohnung kehrt nun auch bei mir der Weihnachtsfrieden ein. War das eine Aufregung. Aber wie die liebe Mare schon geschrieben hat: wir haben versucht, das Beste draus zu machen und ich darf sagen: gut ist&#8217;s gegangen. 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