{"id":3524,"date":"2016-12-08T20:18:21","date_gmt":"2016-12-08T20:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3524"},"modified":"2017-01-03T10:03:12","modified_gmt":"2017-01-03T10:03:12","slug":"eichhoernchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3524","title":{"rendered":"Eichh\u00f6rnchen"},"content":{"rendered":"<p>Hatte ich schon mal erw\u00e4hnt, dass ich Eichh\u00f6rnchen liebe? Nicht nur, weil ich sie von meinem Fenster aus sehen kann, wenn ich wahlweise nachdenklich oder um mich zu sammeln und niemanden zu ermorden, auf die B\u00e4ume vor meinem Fenster schaue. Ich tue das gerne und regelm\u00e4\u00dfig. Im Sommer rauschen die gr\u00fcnen Bl\u00e4tter beruhigend und im Winter sind die \u00c4ste und Zweige weit verzweigte Autobahnen f\u00fcr Eichh\u00f6rnchen. Sie rasen an und auf ihnen auf und ab, schwingen sich von Ast zu Ast und sind wirklich andauernd in Bewegung. Angeblich &#8211; mir werden seit ich meine Liebe zu diesen possierlichen Nagern eingestanden habe lauter Horrorgeschichten \u00fcber die possierlichen Tiere zugetragen &#8211; sind sie Massenm\u00f6rder und verbreiten rasend schnell und unerbittlich, wo sie nur gehen und stehen, die Tollwut. Das mag ja alles sein, aber sie haben ein Fell und sehen nett aus. Und hinterlassen nichts auf meinem Balkon. Das gen\u00fcgt. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem liegen sie mir schon deshalb, weil sie meinem weiblichen und schw\u00e4bischen Wesen so verwandt scheinen. Sie sammeln N\u00fcsse, tragen sie in ihre Bauten oder H\u00f6hlen oder wo sie halt wohnen, sie sind possierlich und vorausschauend und sportlich und irgendwo doch auch sehr elegant mit ihrem wunderh\u00fcbsch buschigen Schwanz. Auch Frauen k\u00f6nnen beispielsweise wunderbar auf etwas sparen und das ganze f\u00fcr die Urlaubskasse gesammelte Geld dann f\u00fcr ein Paar traumhafter Riemchensandalen ausgeben, denen sie im Schaufenster nicht widerstehen k\u00f6nnen oder ganz, ganz lange abnehmen, weil auf einem Fest in weiter Ferne der Drecksack von Exfreund erwartet wird, der einen vor Jahren schmachvoll verlassen hat. Sie sind also gleicherma\u00dfen vorausblickend wie leichtf\u00fc\u00dfig. Und Pelzkragen m\u00f6gen sie auch. Und nichts sieht anmutiger aus als ein Eichh\u00f6rnchen, das eine Nuss zwischen den kleinen zarten Vorderpfoten h\u00e4lt. Au\u00dfer vielleicht einer Frau, die nachdenklich eine Cappuccinotasse mit beiden H\u00e4nden h\u00e4lt. Also bitte: mehr Gemeinsamkeiten haben nur eineiige Zwillinge. Und die \u00c4hnlichkeit mit Schwaben muss ich ja wohl nicht erkl\u00e4ren. N\u00fcsse? Vorrat? F\u00fcr schlechte Zeiten? Na bitte. Ist also nur logisch, dass ich sie so putzig finde.<\/p>\n<p>Ich habe nur einen ganz gro\u00dfen Kritikpunkt an diesen kleinen Biestern: Sie lassen sich einfach nicht fotografieren. Seit Tagen liegt meine Kamera mit dem gr\u00f6\u00dften Teleobjektiv, das man au\u00dferhalb der Paparazzofotografie verwenden kann, auf meinem Schreibtisch und ich krieg einfach keines scharf. Immer verstecken sie sich in den \u00c4sten und wenn ich sie dann doch mit viel List und T\u00fccke scharf fokussiert habe, dann erschrecken die Viecher und ich kann wieder von vorne anfangen. Sehr \u00e4rgerlich. Und w\u00e4hrend ich ihnen noch so versonnen nachschaue, gehe ich selbst meiner Eichh\u00f6rnchent\u00e4tigkeit nach und sammle im Rahmen eines Projekts Redaktion um Redaktion und muss mich wundern, wie Menschen, die immer, aber wirklich immer auf die Unterst\u00fctzung und Zuverl\u00e4ssigkeit anderer angewiesen sind, selbst teilweise so entsetzlich ignorant sein k\u00f6nnen und gar nicht hilfsbereit und vorausschauend sind. Denn kein Mensch und kein Eichh\u00f6rnchen kann wissen, wohin ihn seine Zukunft f\u00fchrt und ob es sich nicht eines Tages vielleicht als idiotisch bl\u00f6d erweisen wird, dass man damals auch auf das sechste E-Mail nicht reagiert hat. Und dann krieg ich wieder die Kurve und konzentriere mich auf die andere Eichh\u00f6rnchenseite: das Sammeln und Ablegen von sch\u00f6nen Momenten. Dazu eignet sich die Adventszeit ganz besonders und ganz sicher kommen auch wieder Tage, in denen man ganz unerwartet auf so eine gemachte sch\u00f6ne Erfahrung st\u00f6\u00dft. Wie ein vergessliches Eichh\u00f6rnchen. Denn wie meine Mutter stets zu sagen pflegt: warum wachsen so viele Nussb\u00e4ume? Weil Eichh\u00f6rnchen so vergesslich sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hatte ich schon mal erw\u00e4hnt, dass ich Eichh\u00f6rnchen liebe? Nicht nur, weil ich sie von meinem Fenster aus sehen kann, wenn ich wahlweise nachdenklich oder um mich zu sammeln und niemanden zu ermorden, auf die B\u00e4ume vor meinem Fenster schaue. Ich tue das gerne und regelm\u00e4\u00dfig. 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