{"id":3498,"date":"2016-11-10T06:33:14","date_gmt":"2016-11-10T06:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3498"},"modified":"2016-11-10T06:36:53","modified_gmt":"2016-11-10T06:36:53","slug":"vorhang-auf-buehne-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3498","title":{"rendered":"Vorhang auf, B\u00fchne frei!"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal, nein oft sogar, bringt die Recherche f\u00fcr Artikel tats\u00e4chlich nicht nur Lesern, sondern auch mir einen Mehrwert. So zum Beispiel bereits in unseren r\u00f6mischen Sommerferien, in denen wir das Sommerkino und die Notte Romane entdeckt hatten. Warum nicht auch in Paris? Nach einem denkw\u00fcrdigen Bummel zu Kenzo, Pardon, H&#038;M, den ich alleine gemacht habe, weil selbst mein Mann nur begrenzt belastbar ist, haben wir einen herrlich sonnigen Mittag beim Essen vor dem Louvre verbracht. Allerdings, so f\u00e4llt mir nun ein, ist es beleibe nicht mit einer solch lapidaren Beschreibung meines Ausflugs zu den Champs-Elys\u00e9es getan. Dort angekommen n\u00e4mlich &#8211; im Schweinsgalopp, weil die Luft so sch\u00f6n war, die Stra\u00dfen so leer und Paris an sich auch ganz nett sein kann &#8211; hatte ich mich schon gewundert, warum Menschentrauben auf der Stra\u00dfen stehen. Sie standen da, weil sie nicht auf die Heiligen Felder konnten, ohne vorher eine Taschenkontrolle und Leibesvisitation zu durchlaufen. Paris rechnet mit dem Schlimmsten und tut gut daran. An sich beruhigend in Zeiten wie diesen, zumindest f\u00fcr mich. Man fragt sich dann automatisch, was tun im Ernstfall? In ein Gesch\u00e4ft rennen? Nein. Wahrscheinlich nicht. In eine Metrostation? Auch nicht. Einfach stehen bleiben? Kommt drauf an. Aber Tatsache ist, Paris hat seine Unschuld verloren und mitten im sch\u00f6nsten Moment, das kann beim Essen in einem Restaurant sein oder beim Bummel auf dem Trocadero, schie\u00dft der Gedanke durch den Kopf: Was w\u00e4re wenn? W\u00e4re jetzt nicht der perfekte Moment f\u00fcr einen Anschlag?<\/p>\n<p>Den Parisern merkt man solche Gedanken nat\u00fcrlich ebenso wenig an wie alle anderen Gef\u00fchle. Au\u00dfer Genervtsein. Das sieht man ihnen 24\/7 an. Es ist ihnen ins Gesicht gemei\u00dfelt. Und warum das so ist und wie man selbst auch m\u00f6glichst so wird, haben wir abends in einem Theaterst\u00fcck gelernt, das ich &#8211; wie gesagt &#8211; durch Zufall bei einer Recherche entdeckt hatte. In einem wahrlich sehr effizienten Theatersaal, was die Sitzanordnung angeht, steht f\u00fcr eine Stunde ein Pariser, der schon auf den ersten Blick und das erste Wort au\u00dfergew\u00f6hnlich genannt werden kann. Warum? Er hat ein B\u00e4uchlein und er spricht flie\u00dfend Englisch. Und das Wichtigste an seinem Sprachtalent: er ist auch bereit, es im Umgang mit Nichtfranzosen zu nutzen. Andererseits bekommt er Geld daf\u00fcr und vielleicht ist er im Privatleben auch einer von denen, die einen mit gerunzelter Stirn anschauen und stereotyp fragen &#8222;Comment??&#8220;. Egal. Seine gesamte One-hour-Show ist auf Englisch und erkl\u00e4rt, wie man in ebendieser Stunde zum Franzosen wird. Egal ob im Restaurant, in der Metro oder in Zwischenmenschlichen: Pariser sind genervt und zeigen keinerlei positive Gef\u00fchle. Das war die Quintessenz dieser lehrreichen Stunde. Um Gegens\u00e4tze zu verdeutlichen, arbeitete der Entertainer mit dem Publikum. Da war zun\u00e4chst Sonja aus Saarbr\u00fccken, die parisierisch tanzen sollte, aber der Star und Gl\u00fccksgriff des Abends war Mr. George aus Prescott, USA.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zum Pariser Entertainer, der vier Jahre seines Lebens in den USA verbracht hatte, war dieser fr\u00f6hlich, wohlwollend und bereit, \u00fcber jeden noch so kleinen Witz zu lachen und sich rundum pr\u00e4chtig zu am\u00fcsieren. Er war eine Offenbarung und durfte zum Schluss auf die B\u00fchne, wo er eine Abschlusspr\u00fcfung bestehen sollte: Grimmig schauen, Taxifahrer schlecht behandeln und franz\u00f6sisch tanzen. Es gelang ihm mit Bravour, er hat ein Zertifikat daf\u00fcr bekommen und sich mords gefreut. Wie er bei der R\u00fcckkehr in die Heimat auf die dortigen Entwicklungen reagiert hat, werden wir nie erfahren, aber vielleicht hat er mit genau demselben pragmatischen Optimismus ja auch &#8222;Le Trump&#8220; gew\u00e4hlt und am\u00fcsiert sich nun auch dar\u00fcber pr\u00e4chtig. So oder so, Laune scheint ein Grundhaltung zu sein. Hier wie dort. Mal braucht man sie mehr, mal weniger. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal, nein oft sogar, bringt die Recherche f\u00fcr Artikel tats\u00e4chlich nicht nur Lesern, sondern auch mir einen Mehrwert. So zum Beispiel bereits in unseren r\u00f6mischen Sommerferien, in denen wir das Sommerkino und die Notte Romane entdeckt hatten. Warum nicht auch in Paris? 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