{"id":3493,"date":"2016-11-04T08:20:48","date_gmt":"2016-11-04T08:20:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3493"},"modified":"2016-11-04T08:24:39","modified_gmt":"2016-11-04T08:24:39","slug":"mittagsbummel-auf-den-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3493","title":{"rendered":"Mittagsbummel auf den Champs-Elys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, die passieren einem eher in Paris als in Augsburg. Obwohl Vieles von dem, was ich zu schreiben plane durchaus auch dort passieren k\u00f6nnte, wenn ich es mir genau \u00fcberlege. Wollen mal sehen. Heute Morgen zum Beispiel war ich auf der Suche nach einem m\u00f6glichst sehr warmen Pulli, weil es in dieser Wohnung zwar saunaartige Zust\u00e4nde hat, wenn man reinkommt, sitzt man aber \u00fcber Stunden da und tippt vor sich hin, k\u00fchlt es sakrisch aus, wie der gepflegte Bayer sagen w\u00fcrde. Dann ist man froh um einen w\u00e4rmenden Rolli. Zum Gl\u00fcck habe ich f\u00fcr solche Eventualit\u00e4ten vorgesorgt und immer und \u00fcberall einen schwarzen Rolli zur Hand. So viele, ich muss es zugeben, sind es inzwischen, dass ich sie bestenfalls noch an der Enge des Kragens unterscheiden kann. Die ist f\u00fcr mich n\u00e4mlich immens wichtig. Ich hasse so Halbheiten, wenn der Rollkragen nicht anliegt. Wozu brauche ich ihn dann bittesch\u00f6n? Jedenfalls habe ich heute Morgen ganz unten drin meinen aller\u00e4ltesten und hei\u00dfgeliebten ersten schwarzen Kaschmirrolli gefunden. Was war das f\u00fcr eine Wiedersehensfreude!!! Ich habe diesen speziellen allerdings nicht am Kragen, sondern an den liebevoll aufgen\u00e4hten Lederflicken am \u00c4rmel erkannt. Die habe ich vor \u00fcber zehn Jahren in Wien in einem Kaffeehaus durchgewetzt und ich sehe heute noch die Tr\u00e4nen der R\u00fchrung in den Augen meines geliebten Gatten. Um solche \u00e4rgerlichen Notst\u00e4nde k\u00fcnftig zu vermeiden, habe ich seitdem in steter Folge und mit nie erm\u00fcdendem Eifer immer wieder f\u00fcr Nachschub gesorgt und ich nehme auch auf fast jede Reise einen mit. Nur nicht, wenn wir im Fr\u00fchjahr auf meine Geburtstagsreise gehen. Da bin ich voller Hoffnung und friere dann bitterlich. Oder kaufe einen neuen, aber meist gibt es sie nicht mehr, weil die Fr\u00fchjahrsmode gerade rausgekommen ist. Unpassenderweise, zumindest, wenn man sich nach den Temperaturen richtet, was ich ja leider auch nicht tue&#8230;.<\/p>\n<p>Mit dieser kleinen Nischenleidenschaft bin ich jedoch beileibe nicht alleine auf der Welt wie mir gerade ein Blick in die heutigen Gazetten verdeutlicht hat. Es gibt andere Frauen auf der anderen Seite des Ozeans, die haben eine &#8211; weitaus fatalere &#8211; Leidenschaft f\u00fcr unpassende Blusen. Blusen, die den Busen ganz schaurig einrahmen oder betonen. Und das dann auch noch in fragw\u00fcrdigen Farben und nicht in schlichtem schwarz, was fast immer das Schlimmste mindern oder nivellieren kann. Und was nat\u00fcrlich erschwerend hinzukommt: ich trage meine schwarzen Rollis zuhause am Schreibtisch oder mal beim Essen oder einfach den ganzen Winter durch. Diese Frau \u00fcberm Meer tr\u00e4gt sie in einer sexistisch aufgeheizten Wahlkampfrede, angeblich um ihren Mann zu unterst\u00fctzen. Das ist ungef\u00e4hr so hilfreich, wie einem Diabetiker erst mal ein Nutellabrot zu schmieren. Egal, das soll nicht unsere Sache sein. Ist es f\u00fcr meinen Geschmack eh schon viel zu viel.<\/p>\n<p>Was ich aber eigentlich berichten wollte, fand gestern auf den Champs-Elys\u00e9es statt. Weil es also kalt in der Wohnung war und ich einen kleinen H\u00e4nger hatte, bin ich an die frische Luft und da das Wetter herrlich und ich so richtig in Schwung war, bin ich ziemlich weit gekommen bei meiner Wanderung. Entlang der Stra\u00dfe wurde schon der Weihnachtsmarkt mit allem Drum und Dran aufgebaut. Der Anblick eines halben Riesenrads beweist \u00fcbrigens erneut wie fragil all diese technischen Fahrger\u00e4te doch sind, aber das nur nebenbei. Auf meinem weiteren Weg habe ich dann aus den Augenwinkeln etwas sehr Buntes wahrgenommen. Ein Schaufenster mit SEHR floralen Motiven und einer Tafel mit Uhrzeiten. Die Uhrzeiten waren tats\u00e4chlich die Zeiten, zu denen man die Kenzo-Sonderkollektion bei H&#038;M anschauen und kaufen durfte. Bereits auf den Tafeln war zu lesen, dass man sich gef\u00e4lligst ordentlich zu benehmen h\u00e4tte. Offenbar habe aber nur ich die gelesen. Drinnen ging es n\u00e4mlich wirklich w\u00fcst zu. Ich war ja zum ersten Mal bei sowas. Und nicht nur, dass ich jetzt viele Worte f\u00fcr &#8222;Das probiere ich gerade, lassen Sie bitte ihre Finger von meiner eigenen Jacke&#8220; und &#8222;Das sieht schrecklich aus&#8220; kenne, wei\u00df ich jetzt auch, dass es bei H&#038;M nur wenige Spiegel im Verkaufsraum gibt und dass Franz\u00f6sinnnen keineswegs immer so verruchtes Zeugs drunter tragen wie sie uns immer glauben machen wollen. Alles in allem war es ein hochinteressanter Mittag, den ich nun bei ruhigen T\u00e4tigkeiten zu verarbeiten gedenke. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, die passieren einem eher in Paris als in Augsburg. Obwohl Vieles von dem, was ich zu schreiben plane durchaus auch dort passieren k\u00f6nnte, wenn ich es mir genau \u00fcberlege. Wollen mal sehen. 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