{"id":3430,"date":"2016-10-01T14:42:01","date_gmt":"2016-10-01T14:42:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3430"},"modified":"2016-12-20T02:32:58","modified_gmt":"2016-12-20T02:32:58","slug":"notizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3430","title":{"rendered":"Notizen"},"content":{"rendered":"<p>Dass das Leben in und zwischen drei Wohnorten nicht nur aus Caf\u00e9 au Lait, Cappuccino und Kaffeetrinken besteht, sondern auch zu einem Gutteil aus Organisieren und logistischer Planung, ist vermutlich jedem klar. Manchmal gleicht es eher einem Transportunternehmen, das internationale G\u00fcter hin- und herf\u00e4hrt. Nun habe ich Artikel des t\u00e4glichen Bedarfs nat\u00fcrlich an allen Standorten und fahre nur Lieblingssachen hin und her. Seit die Airlines sich sogar den Transport von Gep\u00e4ck bezahlen lassen und die Flugh\u00e4fen trotz aller Bem\u00fchungen kaum in der Lage sind, die Herausgabezeit des Ausgabegep\u00e4cks unter der Flugzeit zu halten, w\u00e4re es auch kaum m\u00f6glich, Schuhe, Jeans und wei\u00dfe T-Shirts mitzunehmen. Und Kaschmirpullis kann man ja eh nicht genug haben, oder? Auch bieten verschiedene Standorte die klimatische M\u00f6glichkeit, diverse Schwerpunkte zu setzen. Durchaus gibt es Kleidungsst\u00fccke, f\u00fcr die Augsburg noch nicht reif ist oder ich mich zu Tode frieren w\u00fcrde. Aber wusch, gleiten wir schon wieder in die pseudoglamour\u00f6sen Aspekte ab. Derweil wollte ich doch \u00fcber was ganz anderes schreiben.<\/p>\n<p>\u00dcber Briefe an einen selbst. Abenteurer und Vielreisende aus fr\u00fcheren Zeiten machten es vor. Sensible Geister sowieso. Zu Zeiten von Briefen und Postkarten schrieben sie sich selbst. Je nach Land waren sie weit vor den eigenen Zeilen wieder zu hause, aber wie gro\u00df war die Freude, zwischen \u00e4rgerlichen Rechnungen und immergleichen Werbesendungen die eigene Schrift zu erkennen und sich selbst an die sch\u00f6ne Urlaubszeit zu erinnern. Wieder andere hinterlegen gleich ganze Prophezeiungen \u00fcber innenfamili\u00e4re Entwicklungen beim Notar. Oder sie schreiben sich profane Notizen. Menschen wie ich, die Listen aller Art lieben und an Tagen mit hohem Frustpotenzial am liebsten noch &#8222;Atmen&#8220; drauf schreiben w\u00fcrden, nur damit es abgestrichen werden kann, lieben es nat\u00fcrlich, Zettel zu schreiben, was am n\u00e4chsten Standort beispielsweise zu kaufen ist: Gesichtscreme, Finishsalz oder besonderen Pfeffer zum Beispiel. M\u00fcllbeutel und Geschirrreinigertabs, die es in der Heimat besser und g\u00fcnstiger gibt, f\u00fcr den anderen. Und weil einen das Hirn trotz aller bester Vors\u00e4tze \u00fcber die Wochen im Stich l\u00e4sst, macht es Sinn, sich nicht nur zu schreiben, was man noch tun muss, sondern auch wie der Status-Quo ist.  <\/p>\n<p>So vergesse ich immer wieder, wann ich das Bett in Rom das zuletzt \u00fcberzogen habe. Ich nehme mir vor, einen Rhythmus zu halten, aber wer wei\u00df, wann man fliegt, wer kann sich erinnern, wie oft darin geschlafen? Warum wir auf der Welt sind? Und so weiter und so weiter. Seit ich mir diese netten kleinen Zettel schreibe und selbst die wieder vergesse, freue ich mich wie ein Eichh\u00f6rnchen, wenn es unversehens im hintersten Winkel eines Astlochs einen Vorrat k\u00f6stlicher Haseln\u00fcsse findet. Noch mehr freue ich mich, wenn da steht: Einmal geschlafen. Dann ist es zwar nicht mehr superfrisch, aber erspart mir, gleich nach der Ankunft zentnerschwere Matratzen zu beziehen. Auch bei der saisonalen Wiederinbetriebnahme von Ski- oder Badesachen kann ich mich f\u00fcrchterlich freuen, wenn ich auf einen Zettel sto\u00dfe, der mich daran erinnert, die Badetasche zum Schuster zu bringen oder dass die Ski frisch gewachst waren. Man sollte generell viel mehr mit sich selbst kommunizieren. Man ist ja nie derselbe Mensch und so bleibt es auch immer spannend. Echt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass das Leben in und zwischen drei Wohnorten nicht nur aus Caf\u00e9 au Lait, Cappuccino und Kaffeetrinken besteht, sondern auch zu einem Gutteil aus Organisieren und logistischer Planung, ist vermutlich jedem klar. Manchmal gleicht es eher einem Transportunternehmen, das internationale G\u00fcter hin- und herf\u00e4hrt. 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