{"id":3334,"date":"2016-08-16T17:20:32","date_gmt":"2016-08-16T17:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3334"},"modified":"2016-08-16T17:20:32","modified_gmt":"2016-08-16T17:20:32","slug":"die-chinesenmama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3334","title":{"rendered":"Die Chinesenmama"},"content":{"rendered":"<p>In Rom, wie in vielen anderen italienischen St\u00e4dten, gibt es riesige chinesische Kolonien. Um den altehrw\u00fcrdigen, leider nicht mehr in dieser Form existierenden Markt Vittorio herum leben zum Beispiel so viele, dass man sich in Shanghai w\u00e4hnt und sicher nicht in einer italienischen Stadt oder gar der Hauptstadt. Allein in meiner Stra\u00dfe gibt es drei rund um die Uhr ge\u00f6ffnete Chinesenl\u00e4den, in denen es &#8211; ich habe berichtet &#8211; scheinbar alles gibt. Allerdings glaube ich auch, dass das mehrmin\u00fctige Einatmen der plastik- und weichmacherverseuchten Luft die Lebensdauer betr\u00fcblich verk\u00fcrzt. Das aber nur am Rande, denn wie ich mir jedes Mal beim Vorbeifahren denke, sieht man dem Flei\u00df und der Bescheidenheit dieser Menschen zu, ist es fast unausweichlich, dass sie mit ihrer Masse im Sinne von Menge und Beharrlichkeit die Welt letztlich doch erobern werden. Das wollte ich aber gar nicht erz\u00e4hlen, sondern von unserer ganz pers\u00f6nlichen Chinesenfrau Patrizia.<\/p>\n<p>Patrizia ist, wie der Name verr\u00e4t, nat\u00fcrlich keine Chinesin. Zumindest nicht geb\u00fcrtig. Sie hat jedoch ein seltenes Sprachtalent, an dem sie uns alle in den Sommermonaten teilhaben l\u00e4sst und an dessen Bl\u00fcten wir hin und wieder schnuppern d\u00fcrfen, wenn sie ihre ungleichen Zwillinge Omar und Karim tadelt oder anspornt, was eigentlich zu jeder Minute des Nachmittags der Fall ist. Ich kenne die beiden seit sei geschl\u00fcpft sind, wobei kennen zu viel gesagt ist. Ich h\u00f6re am Pool, was sie besser machen k\u00f6nnten und in der Mittagsruhe \u00fcber die ge\u00f6ffneten Balkont\u00fcren, dass sie jetzt schlafen sollten. Da ich kein Sprachtalent bin und gerne lese entkomme ich fast jeden Sommer der Chinesenfrau. In Wahrheit halte ich mir meist nur ein Buch vor die Nase und lausche und staune \u00fcber die Chinesenmama. Sie hei\u00dft \u00fcbrigens so, weil ihr unfassbares Sprachtalent ihr einen chinesischen, wortkargen Ehemann eingebracht hat, der zwar ein gro\u00dfes Auto besitzt, wegen der r\u00f6mischen Parkplatznot aber lieber ihr kleines f\u00e4hrt, ihr im Gegenzug aber nicht erlaubt, mit seinem gro\u00dfem zum Einkaufen zu fahren. Zu allem \u00dcberfluss ist die Familie offenbar gerne Wassermelonen und wir wohnen auf einem Berg. <\/p>\n<p>\u00dcber all dem ist Patrizia meiner Meinung nach sport- und magers\u00fcchtig geworden. Wenn man jemanden nun in Jahresabst\u00e4nden im Bikini sieht, kann man das ganz gut beurteilen, finde ich. Zum Gl\u00fcck hat Patrizia einen Papa, den Chinesen-Nonno, den Opa der Zwillinge. Und ich wage zu behaupten, dass die beiden ohne den Opa abgesoffen oder v\u00f6llig verbl\u00f6det w\u00e4ren. Der Chinesen-Nonno ist ein gutm\u00fctiger \u00e4lterer Herr mit Unterhemd und einer Schieberm\u00fctze, mit der er auch im Hamburger Hafen nicht weiter auffallen w\u00fcrde. T\u00e4glich schifft er sein verbeultes Auto herauf, f\u00e4hrt mit seiner Tochter zum Einkaufen, l\u00e4sst sich ausschimpfen, weil er die Kinder falsch behandelt und ich denke, er muss sich in den Stunden, in denen die Familie nicht beim Baden ist, sehr, sehr viele Geschichten \u00fcber das Sprachtalent seiner Tochter anh\u00f6ren. Die Chinesenmama hat sich au\u00dferdem zum Ziel gesetzt, ihre beiden Kinder zu 1A-Schwimmern heranzutrainieren und \u00e4rgert sich f\u00fcrchterlich, wenn sie lieber mit kleineren Kindern Wasserball spielen. Was sie, wie ich f\u00fcrchte, allerdings am allermeisten \u00e4rgern w\u00fcrde, ist, wenn Sprach-Ignoranten wie ich diesen Ehrgeiz als viel chinesischer erachteten als ein perfekt gesprochenes Hoch-Mandarin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Rom, wie in vielen anderen italienischen St\u00e4dten, gibt es riesige chinesische Kolonien. Um den altehrw\u00fcrdigen, leider nicht mehr in dieser Form existierenden Markt Vittorio herum leben zum Beispiel so viele, dass man sich in Shanghai w\u00e4hnt und sicher nicht in einer italienischen Stadt oder gar der Hauptstadt. 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