{"id":3270,"date":"2016-07-23T12:08:06","date_gmt":"2016-07-23T12:08:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3270"},"modified":"2016-07-23T12:08:06","modified_gmt":"2016-07-23T12:08:06","slug":"heute-beim-gemuesehaendler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3270","title":{"rendered":"Heute beim Gem\u00fcseh\u00e4ndler"},"content":{"rendered":"<p>Zu sehr unchristlicher Zeit, n\u00e4mlich um vier Uhr morgens, mussten wir heute aufstehen, um den einzigen Flug nach Rom zu bekommen. Um diese Zeit bin ich noch nicht besonders aufnahmef\u00e4hig, entgegen meiner Annahmen, wenn ich mal wieder mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr einschlafen kann, was mich dann sehr wurmt, weil ich mir denke, dass ich doch eigentlich schon mordsviel unternehmen k\u00f6nnte. Stimmt gar nicht, wie ich heute festgestellt habe. Das fr\u00fche Aufstehen hatte allerdings den Vorteil, dass wir bereits um halb acht hin Rom waren und gegen acht Uhr zuhause, wo ich mich gleich mit Verve an mein liebstes Ger\u00e4t nach dem Urlaub, die Waschmaschine, geworfen habe. Ich komme gerne nach Hause. Diesmal weniger gerne als sonst, aber schon auch gerne. Nach kurzer Rast haben wir einen kleinen Ausflug zum Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler, zur Reinigung und so weiter gestartet und dort durfte ich Folgendes &#8211; nicht unbedingt Bedeutungsloses, betrachtet man den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang &#8211; beobachten. <\/p>\n<p>Der Obsth\u00e4ndler am Ende unserer Stra\u00dfe, die wie gesagt in einer wilden Gegend liegt, befindet sich wie die meisten anderen r\u00f6mischen Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler fest in nordafrikanischer Hand. Er dient als Anlaufstelle immer wieder neuer und junger Verwandter von alteingesessenen Hasen mit schwieligen harten Pranken und Fingern\u00e4geln, mit denen sie Schrauben rein- oder wahlweise rausdrehen k\u00f6nnten. Die ersten Worte, die sie lernen sind: &#8222;Ciao Bellissima&#8220; und da sich ihnen die Bedeutung dieser Worte offenbar in keinster Weise erschlie\u00dft (wie auch? Und wer h\u00e4tte nicht schon Spa\u00df dran gehabt, armen Nicht-die-jeweilige-Sprache-Sprechenden f\u00fcrchterliche Wortwendungen beizubringen, auf dass sie im Restaurant statt eines Schnitzels eine Nacht mit dem schnuckeligen Kellner bestellen?!), rufen sie diese ihre neue Worterrungenschaft mit dunkelblitzenden Augen jeder noch so furchteinfl\u00f6\u00dfenden Matrone zu, die \u00fcber ihre Schwelle tritt. Bin ich l\u00e4ngere Zeit in Rom, kann ich mit m\u00fctterlicher Freude den Aufstieg in die Routine bei den zun\u00e4chst scheuen jungen Wilden verfolgen und miterleben, wie sie dann nach gewisser Zeit einen noch J\u00fcngeren zum Rumbossen an die Seite gestellt bekommen. Es ist ein reizendes Schauspiel und fast immer ist es von pl\u00e4rrender, wenig verst\u00e4ndlicher, vermutlich orientalischer (?) Musik untermalt. <\/p>\n<p>Heute geschah jedoch Folgendes: Kurz nachdem ich den Laden betreten habe, konnte ich beobachten, wie mein j\u00fcngstes K\u00fcken sich wacker mit ein paar Hausfrauen herumschlug, alles freundlich sch\u00e4kernd, aber bestimmt. Er war stolz und froh, dass ich Zeuge davon wurde. Das sollte sich rasch \u00e4ndern, denn dann kam ein Mann in den fr\u00fchen Sechzigern an die Theke und herrschte ihn an, dass er ihm 15 Cent nicht zur\u00fcckgegeben h\u00e4tte und ob er denn glaube, er sei bl\u00f6d?! Der Junge war recht verdattert, hat ihm das Geld gegeben und mich angesehen. Ich hab die Achseln gezuckt und gel\u00e4chelt, aber er war sauer, gekr\u00e4nkt und emp\u00f6rt, hat sich geb\u00fcckt und ziemlich lange an der Musikanlage herumgewurschtelt und dann war auf einmal sehr f\u00fcrchterliche, sehr laute Musik zu h\u00f6ren und jedes L\u00e4cheln aus seinem Gesicht verschwunden. In Zeiten wie diesen dr\u00e4ngt sich dann schon die Frage auf, was alles passieren kann, wenn einem Jugendlichen ohne gro\u00dfe Wurzeln und mit weniger Best\u00e4tigung Solches h\u00e4ufiger passiert. Musiklautdrehen hilft dann nicht mehr und ich komme wieder einmal zu dem Schluss, dass die meisten Ursachen schlimmer Taten an sich entsetzlich klein sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu sehr unchristlicher Zeit, n\u00e4mlich um vier Uhr morgens, mussten wir heute aufstehen, um den einzigen Flug nach Rom zu bekommen. 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