{"id":3109,"date":"2016-05-25T05:25:03","date_gmt":"2016-05-25T05:25:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3109"},"modified":"2016-05-30T12:30:59","modified_gmt":"2016-05-30T12:30:59","slug":"madame-b-verlaesst-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3109","title":{"rendered":"Madame B. verl\u00e4sst Paris"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend hat es ziemlich sp\u00e4t noch an unserer direkten Haust\u00fcre geklingelt. In einer gro\u00dfen Stadt wie Paris, in der man an sich niemanden so gut kennt, dass er nach 20 Uhr noch spontan vorbei kommt, k\u00f6nnte man da schon nerv\u00f6s werden. Nicht so mein Mann (ich war drauf und dran, ein K\u00fcchenmesser parat zu halten). Und &#8211; wie fast immer &#8211; sollte er Recht behalten. Es war unsere goldige deutsche Nachbarin, der ich mich vor vier Jahren radebrechend auf Franz\u00f6sisch vorgestellt habe und die in mein vor Anstrengung und Verlegenheit hochrotes Gesicht sagte, sie kenne den Brauch neuer Nachbarn sich vorzustellen sehr gut, sie sei n\u00e4mlich selbst Deutsche. Was bin ich ihr um den Hals gefallen. Eine Deutsche, alt genug meine Mutter zu sein, als Nachbarin in dieser garstigen b\u00f6sen gro\u00dfen Stadt. Ja, es gibt noch Wunder. Sie hat sich zwar als ein recht unstetes Wunder entpuppt, weil sie &#8211; \u00e4hnlich mir &#8211; dauernd zwischen Deutschland und Paris hin- und hergependelt ist, aber ab und an haben wir uns doch gesehen und mitsammen geplaudert.<\/p>\n<p>Sie ist eine Seele von Mensch. Unbedarft und unkompliziert und vor allem g\u00e4nzlich uneitel. Ihre Wohnung ist riesengro\u00df und geht nach vorne raus. In jedem Zimmer ein Kamin, ein Traum. Allerdings wurde sie meiner Einsch\u00e4tzung nach das letzte Mal renoviert, als ihr Mann sie von seinen Eltern irgendwann nach dem Krieg \u00fcbernommen hat und mit seiner ersten Frau eingezogen ist. Aber das hat Frau B. nie gest\u00f6rt. Sie hat alles so hingenommen wie es war und auch nicht in Frage gestellt. Auch als ihr Mann sie nicht gleich geheiratet hat, weil seine Frau krank war, nichts und niemand konnte ihre Ruhe st\u00f6ren. Das finde ich sehr bewundernswert. Umso trauriger war es, dass sie nach dem Tod ihres Mannes im letzten Jahr an der Garstigkeit des \u00e4ltesten Sohnes ihres Mannes fast zerbrochen ist. Der hat mit 65 noch so nachgetreten als w\u00e4re er wieder 16. Wahrhaft erb\u00e4rmlich. <\/p>\n<p>Nunja, gestern Abend jedenfalls hat sie bei uns Licht gesehen und geklingelt, wir haben ein Glas Wein zusammen getrunken und sie kam auf die Geheimnisse der Wohnung zu sprechen. Und so sahen wir uns kurze Zeit sp\u00e4ter mit unserem besten K\u00fcchenmesser bewaffnet vor einer \u00fcbertapezierten Wandschrankt\u00fcre stehen. Sie hatte diese kurz erw\u00e4hnt und &#8211; meine Vermutung &#8211; das nicht ohne Grund, denn sie war selbst ziemlich neugierig, hatte aber kein Werkzeug mehr. Wir haben zwar unser K\u00fcchenmesser abgebrochen, aber die T\u00fcre nicht aufbekommen. Was wohl dahinter verborgen ist? Und warum wurde gerade diese T\u00fcre zugespachtelt und \u00fcbertapeziert? In Filmen sind in solchen F\u00e4llen geheime Dokumente oder verschollene Kunstwerke drin, Leichenteile eher nicht, w\u00fcrde ja riechen, aber im echten Leben? Wir werden weiter hier bleiben und sollte sich irgendetwas Aufregendes dr\u00fcben tun, Freuden- oder Entsetzensschreie eingeschlossen, werde ich in diesem Blog als Erstes dr\u00fcber berichten. Versprochen. Frau B. jedenfalls schlie\u00dft ihr Pariser Leben ab und plant zu ihrem Geburtstag im Juni erstmal eine Reise nach R\u00fcgen. Recht hat sie. Das letzte Geschenk ihres Mannes an sie war das Parfum &#8222;La vie est belle&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend hat es ziemlich sp\u00e4t noch an unserer direkten Haust\u00fcre geklingelt. In einer gro\u00dfen Stadt wie Paris, in der man an sich niemanden so gut kennt, dass er nach 20 Uhr noch spontan vorbei kommt, k\u00f6nnte man da schon nerv\u00f6s werden. 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