{"id":3069,"date":"2016-05-17T07:55:00","date_gmt":"2016-05-17T07:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3069"},"modified":"2016-05-17T07:56:48","modified_gmt":"2016-05-17T07:56:48","slug":"richard-gere-und-andere-enttaeuschungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=3069","title":{"rendered":"Richard Gere und andere Entt\u00e4uschungen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend kam der Film, bei dem ich nachts um drei problemlos als Synchronsprecherin einspringen k\u00f6nnte. Bei dem man lernt, dass Erdbeeren den feinen Geschmack des Champagners unterst\u00fctzen, ein Fu\u00df so lang wie die Elle ist und ein Lamborghini mit einer H-Schaltung ausgestattet ist. Der Film mit einem strahlend sch\u00f6nen, jungen Richard Gere. Der neben der ebenso strahlend h\u00fcbschen Julia Roberts auf M\u00f6rderhighheels noch stattlich und gro\u00df wirkt. Hach, was hab ich mir f\u00fcr Berufsalternativen ausgemalt, als ich diesen Film w\u00e4hrend meines strohtrockenen BWL-Studiums gesehen habe. Geht doch auch anders, wenn man das Herz am rechten Fleck hat. Wozu all das Studium? Warum Deckungsbeitragsrechnung? Wozu Buchhaltung? All you need is love. And luck.<\/p>\n<p>Ich war nat\u00fcrlich wie die meisten anderen M\u00e4dels zu dieser Zeit heillos in Richard Gere verliebt. Wie gerne h\u00e4tte ich ihn getroffen. Aber wie gro\u00df sind die Chancen, dass er mal zuf\u00e4llig durch die Maximiliansstra\u00dfe in Augsburg l\u00e4uft? Eben. Als ich dann Jahre sp\u00e4ter mit meinem Mann in New York war und wir von einer langen Sightseeingtour ins Hotel zur\u00fcckgekommen waren, bemerkten wir einen gro\u00dfen Wirbel bereits in der Eingangshalle. Wir waren damals noch recht jung und &#8211; man m\u00f6chte nicht protzen &#8211; gutaussehend und so sind wir trotz Turnschuhen und Daunenjacken in ein veritables Blitzlichtgewitter geraten. Aber wer will das schon in Turnschuhen, wo die Ausgehroben nur elf Stockwerke entfernt im begehbaren Kleiderschrank h\u00e4ngen? Eben. Also nichts wie hoch, umziehen. Schlie\u00dflich war unten irgendeine j\u00e4hrlich stattfindende Preisverleihung im Gange. Mein Mann wollte nicht, also bin ich alleine runtergesaust. Das war ein Risiko, weil ich nur so wenig Menschen erkennen kann, mit oder ohne Brille. Sie m\u00fcssten schon genauso aussehen wie das letzte Mal als ich sie gesehen habe. Und am besten genau neben mir sitzen. Und sich vorstellen.<\/p>\n<p>Als ich gedankenversunken aus dem Aufzug gest\u00fcrmt bin, h\u00e4tte ich aus Versehen fast einen zarten kleinen Mann umgerannt. Und weil mir die Frau, die kurz hinter ihm lief, bekannt vorkam, habe ich mich umgedreht und was soll ich sagen? Das war Richard Gere. Mein Eduard Louis. So winzigklein und zart. Ein Elend. Ich glaube, ich habe auf dem Absatz kehrt gemacht und bin wieder hoch zu meinem eigenen stattlichen Mann. Das bringt doch alles nichts. Tr\u00e4umen soll man nicht nachjagen, sondern sie genau so lassen, wie sie sind. F\u00fchrt nur zu Verdruss. Und deshalb m\u00f6chte ich mir &#8211; obwohl man sie mir von allen Seiten aufzudr\u00e4ngen versucht &#8211; keine aktuellen Bilder von Colin Firth ansehen. Noch so einen Schock vertrage ich nicht. Jetzt eh nicht mehr, habe mein Studium abgeschlossen. Lohnt sich nicht mehr. Brauche keine Alternativen mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend kam der Film, bei dem ich nachts um drei problemlos als Synchronsprecherin einspringen k\u00f6nnte. Bei dem man lernt, dass Erdbeeren den feinen Geschmack des Champagners unterst\u00fctzen, ein Fu\u00df so lang wie die Elle ist und ein Lamborghini mit einer H-Schaltung ausgestattet ist. Der Film mit einem strahlend sch\u00f6nen, jungen Richard Gere. 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