{"id":2914,"date":"2016-03-28T06:21:44","date_gmt":"2016-03-28T06:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2914"},"modified":"2016-03-28T06:21:44","modified_gmt":"2016-03-28T06:21:44","slug":"hasenkolonialisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2914","title":{"rendered":"Hasenkolonialisierung"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal ein v\u00f6llig unphilosphischer Beitrag, bei dem ich &#8211; \u00e4hnlich wie das Prunkschaf &#8211; weit in meiner Vergangenheit grabe. Beim fr\u00fchmorgendlichen St\u00f6bern bin ich n\u00e4mlich auf eine interessante Statistik gesto\u00dfen und da ich beruflich auch damit zu tun habe, interessiert sie mich nat\u00fcrlich. Es gibt ja soviele Arten, Zahlenwerk zu lesen und zu interpretieren, Fakten wegzulassen, andere zu betonen und jedes Mal ist die Aussage eine komplett andere: Mehr Menschen sterben durch Selbstmord als durch Autounf\u00e4lle? Wie schrecklich! Die Welt wird immer grausamer. Oder die Autos immer sicherer? So ist es auch bei der Osterhasen\/Weihnachtsmann-Statistik. Viel mehr Osterhasen als Weihnachtsm\u00e4nner (\u00fcberhaupt, dieses Wort!!! Nikolaus, ja, aber Weihnachtsmann? So eine norddeutsche Erfindung!) werden exportiert. Wie kann das sein? Es gibt kaum europ\u00e4ische Konkurrenz f\u00fcr Meister Lampe.<\/p>\n<p>Als ich vor 17 Jahren nach Rom gekommen bin, war mein erstes Weihnachten alleine und als Erwachsene ein einziges Tal der Tr\u00e4nen. Nirgends ein Adventskalender, keine Lebkuchen, keine Nikol\u00e4use, gar nichts. Die deutsche Frau eines Kollegen meines Mannes hat mich dann auf einen &#8222;Lidl&#8220; aufmerksam gemacht und ich bin kilometerweit gefahren, nur um dort schluchzend vor Gl\u00fchwein im Tetrapack und billigen Nikol\u00e4usen zu stehen. Habe Bratw\u00fcrstchen, die ich niemals freiwillig essen w\u00fcrde, gekauft und alles, was nicht bei drei auf dem Baum war. Das war eine ziemliche Menge. Nirgends ist man heimatverbundener als ich Ausland. Von Adventskalendern hat man in Italien noch Jahre sp\u00e4ter nichts geh\u00f6rt. Ebenso von Osterhasen. Hier gibt es Rieseneier, in denen eines Tages wohl auch echte Autos versteckt werden k\u00f6nnen, so gro\u00df sind sie. Au\u00dferdem die Colomba, die Friedenstaube, die zu Ostern gegessen wird und an Weihnachten den Panettone. Aber keine Hasen. Geh\u00f6ren einfach nicht dazu.<\/p>\n<p>Gerade an Festtagen, die seit der Kindheit stark durchritualisiert wird, kann man sich leicht verloren f\u00fchlen. Und so ist auch das erste gemeinsame Weihnachten ein echter Knackpunkt in Beziehungen. Was? Ihr esst vor der Bescherung? Wie bitte, es gibt nur W\u00fcrstchen??? Ostern ist da wesentlich demokratischer und in Italien sind Familien sogar quasi vogelfrei. Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi, Weihnachten mit der Familie, Ostern mit wem Du magst. Inzwischen sind die Hasen und Adventskalender auch in Italien angekommen. Man wei\u00df nicht, ob es ein Vorteil ist, Ferrero und wie sie alle hei\u00dfen, finden es sicherlich gut, aber auf diese Art gehen halt auch lokale Traditionen verloren, was sehr schade ist. Traditionen sind dann auf Menschen wie mich angewiesen, die unerm\u00fcdlich Br\u00e4uche hin und her schleppen. Italienische Neujahrslinsen und Ostertauben, franz\u00f6sische Baumst\u00e4mme zu Weihnachten &#8211; ich hab echt zu tun. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal ein v\u00f6llig unphilosphischer Beitrag, bei dem ich &#8211; \u00e4hnlich wie das Prunkschaf &#8211; weit in meiner Vergangenheit grabe. Beim fr\u00fchmorgendlichen St\u00f6bern bin ich n\u00e4mlich auf eine interessante Statistik gesto\u00dfen und da ich beruflich auch damit zu tun habe, interessiert sie mich nat\u00fcrlich. 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