{"id":2895,"date":"2016-03-24T18:06:09","date_gmt":"2016-03-24T18:06:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2895"},"modified":"2016-05-17T07:26:37","modified_gmt":"2016-05-17T07:26:37","slug":"ma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2895","title":{"rendered":"Mah&#8230;."},"content":{"rendered":"<p>Gestern beim Landen in Rom da war es wieder. Das urtypisch r\u00f6mische &#8222;mah!&#8220;. Wichtig ist, dass es zweifelnd-kritisch ausgesprochen wird. Denn es bedeutet in seinen zwei Buchstaben unendlich viel. Dieses &#8222;ma&#8220; kam, als wir f\u00fcnfzehn Minuten zu fr\u00fch am Flughafen gelandet waren und mal wieder keine Treppe da war, denn Verfr\u00fchungen kommen im italienischen Denken einfach nicht vor. Die genervte Purserin erkl\u00e4rte den teils stehenden, teils sich unter den Gep\u00e4ckf\u00e4chern duckenden Passagieren, dass in K\u00fcrze eine, aber nur eine Treppe zum Aussteigen bereit st\u00fcnde. Und eben diese Aussage quittierte einer der Passagiere mit seinem &#8222;mah&#8220;. In diesem Fall sagt das &#8222;ma&#8220; in etwa Folgendes: Ja, ja, schon gut, aber wer glaubt das schon? Und \u00fcberhaupt: als h\u00e4tte jemals etwas am Flughafen funktioniert und warum sollte ich glauben, dass jetzt eine Treppe kommt. Der r\u00f6mische Dialekt ist voll von solchen Ausrufen und sie dr\u00fccken in ihrer Einsilbigkeit so viel aus wie ein ganzer Sermon.<\/p>\n<p>Auch in Gesch\u00e4ften kann man es h\u00f6ren. Dann n\u00e4mlich, wenn ein beseelter Verk\u00e4ufer dem ungl\u00e4ubigen Kunden erkl\u00e4rt, warum er viel, viel mehr Geld f\u00fcr ein Produkt ausgeben soll als f\u00fcr ein anderes. Es kommt meist von nicht \u00fcberzeugten Kunden, die sicher sind, dass sie gerade verschaukelt werden, dies aber aus H\u00f6flichkeit nicht so direkt sagen m\u00f6chten. Mir gef\u00e4llt es sehr gut und ich kann meinen Mann inzwischen in den Wahnsinn treiben, wenn er mir lang und breit erkl\u00e4rt, warum er eine leere Kopfwehtablettenschachtel im Schrank gelassen hat. Es sind durchaus plausible Erkl\u00e4rungen, allein mir fehlt der Glaube und dann bringe ich dieses h\u00fcbsche &#8222;ma&#8220; an und freue mich. Ein anderer herrlicher Einsilber ist das fast nicht zu schreibende &#8222;mb\u00f2&#8220;. Es kann die Welt bedeuten. Von &#8222;keine Ahnung, ist es aber auch nicht wert, eine zu haben&#8220; bis hin zu echter Ratlosigkeit. In anderen Situationen bringt man damit totale Gleichg\u00fcltigkeit bis hin zur Wurschtigkeit zum Ausdruck. <\/p>\n<p>Ich suche im Deutschen nach Vergleichbarem, aber das N\u00e4chste, das mir einf\u00e4llt, ist das bayerische &#8222;mei&#8220; oder &#8222;ja mei&#8220; oder auch &#8222;oh mei&#8220;. In diesen Abstufungen kann ein Bayer auf fast jede Lebenssituation reagieren, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen und bleibt dabei immer emphatisch und authentisch. Was, die Oma ist gestorben? Oh mei. War sie sehr lange krank und war es absehbar: ja mei (so ist es halt im Leben). Ein singul\u00e4res &#8222;mei&#8220; hingegen kann fast schon frech-provokativ verwendet werden. &#8222;Du bist gestern aber sp\u00e4t heimgekommen!&#8220; &#8211; &#8222;mei&#8220;. Kann hei\u00dfen: Wer ko, der ko, ich hatte eben Besseres zu tun, ich habe jemanden kennengelernt oder denk doch, was Du willst! F\u00fcr Eingaben aus anderen Dialekten w\u00e4re ich \u00fcberaus dankbar &#8211; \u00fcbrigens auch von unseren stillen Mitlesen, \u00fcber die ich mich sehr freue!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern beim Landen in Rom da war es wieder. Das urtypisch r\u00f6mische &#8222;mah!&#8220;. Wichtig ist, dass es zweifelnd-kritisch ausgesprochen wird. Denn es bedeutet in seinen zwei Buchstaben unendlich viel. 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