{"id":2856,"date":"2016-03-16T17:04:03","date_gmt":"2016-03-16T17:04:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2856"},"modified":"2016-05-17T05:32:45","modified_gmt":"2016-05-17T05:32:45","slug":"second-life","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2856","title":{"rendered":"Second Life"},"content":{"rendered":"<p>Manche Dinge, so kurzlebig sie auch sein m\u00f6gen, bleiben aus unerfindlichen Gr\u00fcnden im Ged\u00e4chtnis, gar in Erinnerung. Bei mir ist es das Internetspiels &#8222;Second Life&#8220;. Es ging oder geht &#8211; sehr grob gesagt &#8211; um ein zweites Leben im Internet mit allem, was so dazu geh\u00f6rt, angefangen von H\u00e4usern, Freunden, Jobs, Problemen, Geld und nat\u00fcrlich Mode, die man kaufen kann, zwar mit Internetgeld, aber irgendwie ist es dann doch zu echtem Geld geworden. Und wof\u00fcr? Um das Leben in einem zweiten zu imitieren. Und dann gibt es ja auch auch noch diese Farmspiele, bei denen man seine H\u00fchner und K\u00fche auf Weiden f\u00fchren muss und das f\u00fcttern und tr\u00e4nken nicht vergessen darf. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es gut, den echten Hund, der vielleicht im Haushalt lebt, auch nicht zu vergessen. All diesen Spielen ist gemein, dass Menschen sich in vorgegebenen Schemata bewegen und letztlich nichts Eigenes schaffen, sondern etwas nachmachen. Und damit liegen sie voll im Trend.<\/p>\n<p>Wie hipp das imitieren ist, zeigen in unserer offenbar v\u00f6llig orientierungslosen Welt die Fashionblogger. Sie ziehen sich irgendwas \u00fcber, stellen die F\u00fc\u00dfe so, wie unsere M\u00fctter uns ermahnt haben, es nicht zu tun, weil man da schiefe Abs\u00e4tze, H\u00fcftsch\u00e4den oder O-F\u00fc\u00dfe kriegt, setzen eine gro\u00dfe Sonnenbrille auf und fertig ist die Laube. Das kommt dann ins Internet und schwupps ist der Streetstyle des Tages fertig. Und diese ganze Vormachen-und-Imitieren-Masche l\u00e4uft wie geschmiert, wie ein Moped, wie geschnitten Brot. Die Nachmacher sind gl\u00fccklich und dankbar, wenn sie einfach nur kaufen m\u00fcssen, was ihnen jemand vormacht. Fashionblogs sind superschnell, flexibel, jung und glaubw\u00fcrdig. Bereits die Wahlm\u00f6glichkeiten in Zeitschriften sind zu vielf\u00e4ltig und das \u00dcberangebot in Gesch\u00e4ften zu verwirrend. <\/p>\n<p>Sowieso sind die liebsten Spielwiesen von Testimonials inzwischen die verschiedenen Youtube Kan\u00e4le. Auch hier geht um scheinbar sinnfreie, fr\u00f6hlich quietschende junge Personen, die unger\u00fchrt Drogeriewaren in die Kamera halten und Stein und Bein schw\u00f6ren, dass sie all das benutzen und deshalb so irre cool aussehen. Menschen lieben Imitationen und das ist verst\u00e4ndlich. Fr\u00fcher hat Imitation Leben gerettet. Wenn alle rennen, rennt man am besten mit, k\u00f6nnte ja ein S\u00e4belzahntiger ums Eck kommen. Nachkaufen erl\u00f6st vom anstrengenden Weg zu sich selbst, der vor allem deshalb anstrengend ist, weil davor erstmal herausgefunden werden muss, wer dieses omin\u00f6se Selbst eigentlich sein k\u00f6nnte. Bereits Konfuzius hat sich \u00fcber das Ph\u00e4nomen Gedanken gemacht und ist zu folgendem Schluss gekommen: Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Dinge, so kurzlebig sie auch sein m\u00f6gen, bleiben aus unerfindlichen Gr\u00fcnden im Ged\u00e4chtnis, gar in Erinnerung. Bei mir ist es das Internetspiels &#8222;Second Life&#8220;. 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