{"id":2773,"date":"2016-02-15T13:43:09","date_gmt":"2016-02-15T13:43:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2773"},"modified":"2016-02-15T13:43:09","modified_gmt":"2016-02-15T13:43:09","slug":"buehne-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2773","title":{"rendered":"B\u00fchne frei"},"content":{"rendered":"<p>Ich war gestern in der Oper und ich muss sagen, es hat bis nach der Pause gedauert, bis ich das St\u00fcck so halbwegs verstanden habe. Beziehungsweise das, was daraus gemacht worden ist. Mein Mann, ein normalerweise kluger und intuitiver Mensch war genauso ratlos, was mich beruhigt hat, denn so manches Mal liegen meine Verst\u00e4ndnisl\u00fccken auch daran, dass ich mir \u00fcberlege, was ich kochen k\u00f6nnte (ich habe oft Hunger im Theater, weil ich vorher nichts esse, damit ich ja nicht m\u00fcde, aber es ist wohl ghupft wie gschprungen (f\u00fcr meine lieben Augsburger Leser), weil ich entweder durch Hunger oder M\u00fcdigkeit unkonzentriert bin, vor allem, wenn mich das St\u00fcck nicht fesselt) oder was ich zu einer Einladung auf einer Bergh\u00fctte anziehen k\u00f6nnte, bei der man sowohl vor der H\u00fctte im kalten Schnee als auch drinnen eine  gute, weder frierende noch schwitzende Figur machen sollte.<\/p>\n<p>Kurz und gut, es war recht komplex und ich kann mir schwerlich vorstellen, dass die anderen Zuschauer alles verstanden haben. Was denjenigen, die das Pech hatten, in den &#8222;Sommernachtstraum&#8220; zu gehen, vermutlich lieber gewesen w\u00e4re. Dort gab es wohl auf der B\u00fchne wahrlich keine Geheimnisse mehr, nichts wurde verh\u00fcllt oder sprachlich gesch\u00f6nt. Es muss so eine entsetzlich ordin\u00e4re Vorstellung gewesen sein, dass selbst Betriebspr\u00fcfer vom Finanzamt noch Tage danach traumarisiert von den grauenvollen Bildern im Kopf gesprochen haben. Das hat auch was Verbindendes: Spricht man derzeit in Augsburg, zum Beispiel auf dem Stadtmarkt, dar\u00fcber, findet sich sofort eine \u00e4ltere Dame oder auch ein Herr, die sich, alle Schranken der H\u00f6flichkeit \u00fcberspringend, entsetzt und aufgew\u00fchlt ins Gespr\u00e4ch einmischen und einem raten, man solle da blo\u00df nicht reingehen. Das Geld k\u00f6nne man sich sparen. Sie selbst h\u00e4tten sich nicht getraut, raus zu gehen und es gab keine Pause.<\/p>\n<p>Also ich w\u00e4re gegangen, denn weder esse ich weiter, wenn ich das Gef\u00fchl habe, da ist irgendwas komisch oder eklig im Essen (leider esse ich h\u00e4ufig weiter, wenn ich auch vom S\u00e4ttigungsgef\u00fchl her prima aufh\u00f6ren k\u00f6nnte) noch ziehe ich viel zu enge Schuhe an. Warum sollte man also auf Gedeih und Verderb der effektheischerischen und ansonsten leeren Fantasie eines Regisseurs zu Willen sein? Man muss thematisch nicht damit rechnen und ist doch in erster Linie sich und seinem Wohlbefinden verpflichtet und nicht den Eingebungen eines Anderen. Von daher hatten wir viel Gl\u00fcck, alle waren angezogen, haben ordentlich gesungen und die einzige Crux f\u00fcr den Zuschauer war, dass nicht alle komplexen Gedankeng\u00e4nge, die unter Umst\u00e4nden hinter der Auff\u00fchrung steckten, auf die B\u00fchne gebracht wurden und damit alles zu einem recht bunten Allerlei verwurschtelt wurde. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war gestern in der Oper und ich muss sagen, es hat bis nach der Pause gedauert, bis ich das St\u00fcck so halbwegs verstanden habe. Beziehungsweise das, was daraus gemacht worden ist. 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