{"id":2757,"date":"2016-02-12T18:37:32","date_gmt":"2016-02-12T18:37:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2757"},"modified":"2016-02-12T18:37:32","modified_gmt":"2016-02-12T18:37:32","slug":"smile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2757","title":{"rendered":"Smile!"},"content":{"rendered":"<p>Als die Fotoapparate aufkamen und auch noch eine ganze Weile danach, weigerten sich kluge Naturv\u00f6lker, sich ablichten zu lassen, weil sie Angst hatten, der Apparat und das Foto n\u00e4hme ihnen die Seele. Und Recht hatten sie, betrachtet man sich Kleinkinder, die \u00f6fter fotografiert werden bis sie zwei Jahre alt sind als vor vierzig Jahren ein Mensch in seinem ganzen Leben. Sie posieren v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich, zeigen, was von ihnen erwartet wird und haben keinerlei Scheu. Heute l\u00e4uft die zweite Folge von Germanys Next Top Model an und ich bin weit davon entfernt, mich moralisch \u00fcber das Sendekonzept zu ereifern, weil ich jede Nachmittagstalkshow mindestens genauso schlimm finde oder auch die Kochshows, bei denen der m\u00f6glichst achtlose und r\u00fcpelige Umgang mit Lebensmitteln cool und schick ist. Was mich allerdings wundert, auch ein wenig ersch\u00fcttert, ist der Umgang der Teilnehmerinnen mit Kameras und \u00f6ffentlichem Auftreten. Aber deshalb machen sie auch mit. Schon klar.<\/p>\n<p>Er ist nicht selbstbewusst im eigentlichen Wortsinn, denn das Erschreckende daran ist, dass gerade das Bewusstsein der jungen M\u00e4dchen um das Selbst v\u00f6llig abstrakt und nur wenig vorhanden scheint. Immer und in allen Gesellschaften haben Menschen sich inszeniert. Bei Hofe, in Rath\u00e4usern, auf Sportpl\u00e4tzen, \u00fcberall. Sie haben sich Papageien auf die Schulter gesetzt, arme Panter an der Leine gef\u00fchrt, alles, um sich in Szene zu setzen. Sie sind im Park ausgeritten und haben dort ihr Gesellschaftsgesicht gezeigt, aber es gab dann eben doch noch die Zeit, in der sie daheim waren, selbst vor den Dienern kein Theater mehr gespielt haben und einfach so waren, wie sie sind. Aber wann machen das junge Menschen heute? Sie posten im Minutentakt gestellte Fotos von sich selbst, sind absolute Profis in Duckface und anderen fotogenen Gesten und nutzen sogar die erste Liebe, um sich und dieses heilige Gef\u00fchl in Szene zu setzen.<\/p>\n<p>Gerade in dieser sumpfigen Zeit, die man Pubert\u00e4t nennt, in der die meisten sowieso nicht genau wissen, wie es weitergeht, ist doch das Sich-Ergeben in den hormonellen Strudel und all diese Ver\u00e4nderungen das Wichtigste, um als &#8211; zumindest hormonell &#8211; erneuerter Mensch wieder daraus aufzutauchen. Wer immer sein Fotogesicht aufsetzt, kann doch gar nicht erkennen, wo die Reise im Inneren hingehen k\u00f6nnte. Schnappsch\u00fcsse geh\u00f6ren mehr und mehr der Vergangenheit an, kaum ein Mensch kann mehr von einem Foto \u00fcberrascht werden, alle sind fast jederzeit drauf vorbereitet. Andererseits stellen wir gerade ein Album f\u00fcr eine Studienfreundin zusammen und wenn ich nicht schwarz auf wei\u00df, nein bunt &#8211; so alt bin ich ja nun auch wieder nicht &#8211; sehen w\u00fcrde, was ich sehe, ich w\u00fcrde es nicht glauben und bin sehr froh, dass es diese Erinnerungen gibt. Aber aus meinem Studium sind es nun mal eine Handvoll Fotos, nicht mehr. Ich halte es mit den Indianern und finde, durch zu viele Fotos verschwindet der Moment und mit ihm das Leben, denn das passiert eben immer nur ein einziges Mal und l\u00e4sst sich nie wiederholen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Fotoapparate aufkamen und auch noch eine ganze Weile danach, weigerten sich kluge Naturv\u00f6lker, sich ablichten zu lassen, weil sie Angst hatten, der Apparat und das Foto n\u00e4hme ihnen die Seele. 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