{"id":275,"date":"2014-06-06T19:24:43","date_gmt":"2014-06-06T19:24:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=275"},"modified":"2014-06-06T19:36:37","modified_gmt":"2014-06-06T19:36:37","slug":"die-normandie-hats-in-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=275","title":{"rendered":"Die Normandie hat&#8217;s in sich"},"content":{"rendered":"<p>Kennen Sie das? Sie sitzen jemandem gegen\u00fcber, im Wartezimmer oder im Zug wie bei mir und l\u00e4cheln, einfach so, um eine Verbindung, zumindest aber keine negative Verbindung herzustellen und Ihr Gegen\u00fcber schaut einfach zur\u00fcck, bzw. z\u00f6gert genau die Sekunde, in der sich ein Machtungleichgewicht einstellt. Sie l\u00e4cheln, das Gegen\u00fcber nicht. Und Sie wissen, dass Sie sich noch genau 3.29 Stunden gegen\u00fcber sitzen werden. Der Zug ist n\u00e4mlich rammelvoll.<\/p>\n<p>Das ist mir heute passiert\u00a0und es\u00a0hat mich erbost. Weil es an so einem sch\u00f6nen Tag eigentlich \u00fcberhaupt keinen Grund gibt, nicht zu l\u00e4cheln und wenn man schwanger und nur am Bauch kugelrund ist und sonst alles d\u00fcnn, dann doch erst recht nicht. Aber die Zugfahrt war lange und ich hatte das falsche Buch dabei, da kommt man ins Gr\u00fcbeln. Und vielleicht dachte ich mir, hat sie ja trotzdem Sorgen, auch wenn man von au\u00dfen gar nicht meinen m\u00f6chte, dass das so ist. Vielleicht war der glatzk\u00f6pfige Mann neben ihr ein Arbeitskollege, der sie wie eine Antilope hetzt und genau die Zeit im Kreissaal daf\u00fcr hernehmen wird, sie auszubooten bei diesem riesigen Projekt, \u00fcber das sie die ganze Zeit gesprochen haben. Zuzutrauen w\u00e4re es ihm. Er hat mir ja auch nicht mit dem Koffer geholfen. Flegel. Franz\u00f6sischer. Is doch wahr. Aber vielleicht ist sie einfach miesmuschelig. Das kann ja auch sein.<\/p>\n<p>In so einer Situation\u00a0w\u00fcrde man sich doch einen beherzten \u00e4lteren Herren als Gegen\u00fcber w\u00fcnschen. Gerade so einen wie den, der heute aus seinem Pflegeheim in England ausgeb\u00fcchst ist. Denn der D-Day, den ich bislang aus v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden nicht so recht beachtet hatte, bringt offenbar nicht nur bei mir und meiner englischen Freundin das Reisefieber hervor, sondern auch bei einem echten Kriegsveteranen. Der ist, nachdem man es ihm offiziell nicht erm\u00f6glichen konnte und es ihm dann verboten hatte, kurzerhand mit seinen Kumpels in den Bus gestiegen. Ziel: Normandie.<\/p>\n<p>Er wollte dort seiner gefallenen Kameraden gedenken. Das finde ich so eine sch\u00f6ne Geschichte, so eine mutige und energische Geste, dass ich mich frage: warum sitzt so jemand in einem Pflegeheim und muss sich Dinge verbieten lassen, die seine ureigensten W\u00fcnsche betreffen? Kann das richtig sein? Nat\u00fcrlich muss man in einem solchen Heim schon schauen, dass nicht dauernd Party und Ponyhof ist, geht ja nicht allen gleich gut, aber warum gibt es um Himmels Willen niemanden, der mit ihm da hin f\u00e4hrt? So langsam frage ich mich, ob ich nicht wirklich besser dorthin gefahren w\u00e4re. Der Veteran und ich h\u00e4tten uns angel\u00e4chelt, er h\u00e4tte sich \u00fcber meinen Badeanzug gefreut und meine englische Freundin h\u00e4tte mich vermutlich mit einer kleinen Medaille ausgezeichnet. N\u00e4chstes Jahr bin ich bereit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie das? Sie sitzen jemandem gegen\u00fcber, im Wartezimmer oder im Zug wie bei mir und l\u00e4cheln, einfach so, um eine Verbindung, zumindest aber keine negative Verbindung herzustellen und Ihr Gegen\u00fcber schaut einfach zur\u00fcck, bzw. z\u00f6gert genau die Sekunde, in der sich ein Machtungleichgewicht einstellt. Sie l\u00e4cheln, das Gegen\u00fcber nicht. 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