{"id":2692,"date":"2016-01-13T18:16:03","date_gmt":"2016-01-13T18:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2692"},"modified":"2016-05-17T08:17:51","modified_gmt":"2016-05-17T08:17:51","slug":"grosse-erwartungen-heller-schein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2692","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Erwartungen, heller Schein"},"content":{"rendered":"<p>Ich z\u00e4hle nicht zu den Menschen mit unbegrenztem Selbstbewusstsein. Oft gehe ich daher davon aus, dass das, was ich kann, andere schon l\u00e4ngst k\u00f6nnen und tun. Und dass die meisten noch viel mehr k\u00f6nnen und tun. Wie irr einen das f\u00fchrt, durfte ich j\u00fcngst bei einem Mittagessen erleben. In unsere minikleine Wohnung in Paris hatten wir G\u00e4ste geladen. Franzosen und Amerikaner. Franzosen scheinen zu allem eine \u00fcber Generationen gefestigte Meinung zu haben, vor allem zum Essen und tats\u00e4chlich haben sie auch noch die klassische Speisefolge von Vorspeise, Hauptspeise, Dessert erfunden. Und deshalb habe ich das franz\u00f6sischste Men\u00fc geplant, das ein Mensch sich nur denken kann. Quiche, Boeuf Bourguignon, Kartoffelstampf, Apfelkuchen. Da unsere Wohnung recht klein ist und ich nicht in aller Konsequenz der Meister der Planung bin, ist mir erst recht sp\u00e4t aufgegangen, dass ich mitnichten \u00fcber die gesamte Ausr\u00fcstung verf\u00fcge. Und so musste ich ohne Waage, Nudelholz und mit nur einem gro\u00dfen Topf antreten.<\/p>\n<p>Und was ich dabei wieder einmal festgestellt habe, ist, dass Kochen nicht so sehr mit Sternen oder gro\u00dfen Kochinseln, sondern mit Improvisation und Organisation sowie Erfahrung und tats\u00e4chlich auch Selbstbewusstsein zu tun hat. Denn als meine Quiche knusprig und duftend auf den Tisch kam, haben allen voran die Franzosen gejubelt und mich gefragt, wo ich diesen k\u00f6stlichen Teig gekauft habe. Also da ist mir wirklich die Kinnlade runter geklappt. Auf diese Art habe ich n\u00e4mlich erfahren, dass \u00fcberhaupt gar keine Franz\u00f6sin jemals auch nur im Traum dran d\u00e4chte, so etwas selbst zuzubereiten, was f\u00fcr mich an vors\u00e4tzlichen Betrug grenzt. Geht das au\u00dfer mir noch jemanden so, dass man mordswas vom Anderen denkt und dann fast schon emp\u00f6rt ist, wenn man erf\u00e4hrt, dass die Fingern\u00e4gel k\u00fcnstlich, der Titel gekauft oder die Villa gemietet ist?<\/p>\n<p>Warum glauben wir so oft, dass andere Dinge nach denselben Prinzipien wie wir selbst tun? Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind meiner Mutter schluchzend verboten habe, eine heruntergefallene Masche aus einem bereits eineinhalb Meter langen Schal aufzuheben, weil es dann nicht mehr mein Schal w\u00e4re. Das ist nat\u00fcrlich bei einem Kind etwas anderes, aber noch heute k\u00e4me es mir nicht in den Sinn, einen Teig zu kaufen und ihn als meinen eigenen auszugeben. Was das Erstaunliche daran ist, war die Tatsache, dass besagte Franzosen mir klar gemacht hatten, dass der Unterschied im Geschmack den Aufwand wirklich nicht lohne. Aber dann gehts eben ums Essen und nicht ums Kochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich z\u00e4hle nicht zu den Menschen mit unbegrenztem Selbstbewusstsein. Oft gehe ich daher davon aus, dass das, was ich kann, andere schon l\u00e4ngst k\u00f6nnen und tun. Und dass die meisten noch viel mehr k\u00f6nnen und tun. Wie irr einen das f\u00fchrt, durfte ich j\u00fcngst bei einem Mittagessen erleben. 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