{"id":2424,"date":"2015-09-28T14:51:31","date_gmt":"2015-09-28T14:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2424"},"modified":"2015-09-28T14:59:24","modified_gmt":"2015-09-28T14:59:24","slug":"hilfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2424","title":{"rendered":"Hilfen?"},"content":{"rendered":"<p>Gleich vorweg: Die Zeit, in der ich eine Haushaltshilfe hatte, war kurz und schlimm. Sie hie\u00df Gabriella und war die Schwiegermutter unseres Portiere in Rom. Sie war damals vermutlich um die f\u00fcnfzig und SEHR fit. Die Stunden, in denen sie zu uns kam, habe ich gef\u00fcrchtet und in der Zeit, in der sie bei uns war, habe ich versucht, so unauff\u00e4llig wie nur irgend m\u00f6glich in meinem B\u00fcro zu sitzen. Sie hat Unmengen an salmiakhaltigem Reiniger f\u00fcr den Boden verwendet, die Wohnung hat so stark gerochen, dass ich noch stundenlang danach l\u00fcften musste. \u00dcber Minuten hinweg war immer wieder das &#8218;Pfffft pfffft&#8216; von einer Spr\u00fchflasche zu h\u00f6ren, denn das war sozusagen ihr T\u00e4tigkeitsnachweis.Hemdenb\u00fcgeln wurde bei ihr zu einer Arbeit, die als neue Foltermethode in Guantanamo eingesetzt werden k\u00f6nnte, allerdings auch f\u00fcr mich. Brauche ich vier Minuten f\u00fcr ein Hemd, hat sie in der Stunde vier Hemden geschafft. Fenster sahen nach dem Putzen aus, als h\u00e4tte man mit Butter dr\u00fcber gewischt und sie war Meisterin im Drumherumputzen. <\/p>\n<p>Kurzum, das Effektivste an ihr war ihre Schreckensherrschaft \u00fcber mich. Im ersten und einzigen Jahr hat sie mich im August vor ein Ultimatum gestellt: entweder sie bek\u00e4me Urlaubsgeld oder sie k\u00e4me nicht mehr. Mir w\u00e4re sehr recht gewesen, wenn sie das wahr gemacht h\u00e4tte, aber da Claudio, der nichtsnutzige Vorg\u00e4nger unseres Juwels Massimo, einen Schl\u00fcssel von uns hatte, war mir dabei nicht sehr wohl, denn immer wieder hat sie anklingen lassen, was f\u00fcr drahtige Kerle sie kenne. Kurzum, das Beste an Gabriella war, dass sie einen Teil unserer alten M\u00f6bel genommen hat als sie und ihre ganze Familie in ein besseres Leben gezogen sind und weil sie wohl auch den Eindruck hatte, uns einen Riesengefallen zu tun, hat sie sich auch gar nicht erst bedankt. Ich habe ihr keine Tr\u00e4ne nachgeweint und bin seitdem vehementer Selbstputzer. <\/p>\n<p>Zumal ich ruhigen Gewissens eh niemand Vern\u00fcnftigen finden w\u00fcrde, denn wer steht auf Abruf bereit und kommt, wenn ich mal da bin? Also kann ich &#8211; wenn es ganz bl\u00f6d l\u00e4uft &#8211; in einer Woche drei Mal Betten beziehen. Aber das sind Kleinigkeiten, die ich gerne noch in Kauf nehme, denn egal, wo ich hinh\u00f6re, scheinbar \u00fcberall f\u00fchren Haushaltshilfen ein solches Terrorregime Sie waschen teure Kaschmirpullis zu klein, verf\u00e4rben W\u00e4sche, zerkratzen Edelstahlfl\u00e4chen und sehen hartn\u00e4ckig Kalkflecken am Waschbecken nicht. Menschen, die eine Haushaltshilfe besch\u00e4ftigen, geben soviel von ihren pers\u00f6nlichen Belangen und auch die Verantwortung f\u00fcr ihr Wohlbefinden ab, dass ich sie sehr bewundere f\u00fcr ihre gro\u00dfe Toleranz diesbez\u00fcglich. Ich habe die noch nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich vorweg: Die Zeit, in der ich eine Haushaltshilfe hatte, war kurz und schlimm. Sie hie\u00df Gabriella und war die Schwiegermutter unseres Portiere in Rom. Sie war damals vermutlich um die f\u00fcnfzig und SEHR fit. 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