{"id":2079,"date":"2015-06-29T17:47:18","date_gmt":"2015-06-29T17:47:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2079"},"modified":"2015-06-29T17:48:30","modified_gmt":"2015-06-29T17:48:30","slug":"wie-die-kueche-so-der-garten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=2079","title":{"rendered":"Wie die K\u00fcche, so der Garten"},"content":{"rendered":"<p>Mein Papa hat schon immer gesagt, wer mit Holz arbeitet, ist ein guter Mensch. Ich denke Dasselbe von G\u00e4rtnern. Wer mit Pflanzen arbeitet, hat Ahnung vom Leben. Zumindest von den essentiellen Dingen. Hier in Rom habe ich seit sechzehn Jahren einen G\u00e4rtner namens Papavero, was sehr s\u00fc\u00df ist, denn Papavero hei\u00dft Mohn. Er spricht nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel, aber auch das kenne ich von meinem Vater. Allerdings wei\u00df er zu 100%, was er tut. Jeder Handgriff sitzt. Als ich hier ankam, piepjung und sehr unerfahren, daf\u00fcr mit unfassbarer Energie und auch Kraft ausgestattet, hat er offenbar mit Kennerblick das erkannt, was mir erst klar werden sollte, n\u00e4mlich, dass ich den Pflanzen- und G\u00e4rtnervirus in mir trage. Und so habe ich mich auch unbeeindruckt und furchtlos an diese W\u00fcste des Elends gemacht. Meiner Vorg\u00e4ngerin ist mittendrin einfach die Luft ausgegangen, sie hatte keine Energie mehr. Und so habe ich Ameisenkolonien in verrotteten Baumst\u00e4mmen genauso energisch entsorgt wie zig Zementk\u00fcbel mit Pflanzenleichen darin.<\/p>\n<p>F\u00e4hrt man durch Rom, fallen an den scheu\u00dflichsten H\u00e4usern die gr\u00fcnen und liebevoll umsorgten Balkone und Terrassen auf. Jeder k\u00fcmmert sich hier um seine Pflanzen, am liebsten h\u00e4tten alle ihren eigenen Orto, ihren Gem\u00fcsegarten, denn dem Zeugs auf dem Markt kann letztendlich doch keiner trauen. Kommt ja Vieles aus der Region um Neapel und was die dort alles verscharren, m\u00f6chte keiner essen. Egal. Muss mich um meine Dinge k\u00fcmmern. Im Laufe der Jahre also und dank meiner unerm\u00fcdlichen Pflege und der systematischen Versorgung mit Wasserr\u00fcsseln durch meinen Mann, der inzwischen als internationale Koryph\u00e4e der Bew\u00e4sserungsanlagen gilt, sind meine Pflanzen betr\u00e4chtlich gewachsen. Als Schwaben freut es mich nat\u00fcrlich ganz besonders, dass ich seit Jahren nur noch niedliche Zierpflanzen oder K\u00fcchenkr\u00e4uter bei Mauro kaufen brauche, alles andere bringen mir flei\u00dfige V\u00f6gel in meine Anzuchtstation. Dort wachsen &#8211; verborgen in vernachl\u00e4ssigten Efeut\u00f6pfen &#8211; die erstaunlichsten Pflanzen. Drei \u00fcbermannshohe Oleander habe ich da schon rausgeholt und insgesamt vier Stechpalmen, die einem Angst einfl\u00f6\u00dfen mit ihrem Willen zum Wachstum.<\/p>\n<p>Leider musste ich mich heute von einem knapp vier Meter hohen Baum trennen, das ging einfach nicht mehr. Und weil ich das alles gar nicht mehr alleine schaffe, habe ich eben jenen Papavero angerufen und der hat mir am selben Tag wie vor zwei Jahren dieselben M\u00e4nner geschickt. Acht Stunden haben wir zusammen geschuftet wie die Brunnenputzer und nun sieht die Terrasse aus wie ein preu\u00dfischer Vorgarten. Alles gestutzt und ordentlich. Furchtbar. Wird aber bald wieder wuchern, da bin ich sicher. Dank Wasiles energischer Hand beim Schneiden. Hatte er erstmal herausgefunden, dass ich zwar maule, mich aber dem besseren Wissen beuge, hat er abges\u00e4belt, was \u00fcberhing. Und das war eine Menge. Irgendwann hat er mich dann weggeschickt mit dem Argument, das ich am besten verstehe: In der K\u00fcche muss man auch seine Ruhe haben, damit das Ergebnis gut wird. Der Mann wei\u00df, wovon er spricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Papa hat schon immer gesagt, wer mit Holz arbeitet, ist ein guter Mensch. Ich denke Dasselbe von G\u00e4rtnern. Wer mit Pflanzen arbeitet, hat Ahnung vom Leben. Zumindest von den essentiellen Dingen. Hier in Rom habe ich seit sechzehn Jahren einen G\u00e4rtner namens Papavero, was sehr s\u00fc\u00df ist, denn Papavero hei\u00dft Mohn. 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