{"id":198,"date":"2014-05-22T14:18:08","date_gmt":"2014-05-22T14:18:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=198"},"modified":"2014-05-28T10:39:56","modified_gmt":"2014-05-28T10:39:56","slug":"gegendarstellung-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=198","title":{"rendered":"Gegendarstellung (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Also, Gertrud und ich sind nun schon seit zwei Jahren ein Paar. Sie ist ein wenig scheu, aber gerade das gef\u00e4llt mir an ihr. Au\u00dferdem braucht sie tags\u00fcber (nachts eh) viel Ruhe, feste Gewohnheiten und blo\u00df keine Hektik. Da wir in der Stadt leben, stellt mich das manchmal vor gro\u00dfe Herausforderungen, aber ich w\u00e4re nicht Karl, der Gro\u00dfe (ja, so nennt man mich!), wenn ich dem nicht gewachsen w\u00e4re.\u00a0Ein sonniger Platz mit viel Gr\u00fcn, ein bisschen luftig f\u00fcr den \u00dcberblick und nah genug, um nicht schon beim Ankommen kaputt zu sein. So waren Getruds bescheidene W\u00fcnsche. Lange, lange habe ich gesucht und dann die scheinbar perfekte L\u00f6sung f\u00fcr uns gefunden. Fast mitten in der Stadt (in der es seit einigen Jahren nahezu\u00a0unm\u00f6glich geworden ist, zu leben, weil \u00fcberall Baustellen sind und damit verbunden ein Wahnsinnsl\u00e4rm und \u2013schmutz allerorten) habe ich f\u00fcr uns einen Balkon gefunden, auf dem eigentlich nie jemand ist. Wenn jemand da ist, dann ist das meist eine nette Frau, die uns erstaunlicherweise (auch wenn ich es bin, sie scheint geschlechtsm\u00e4\u00dfig nicht so fit zu sein) mit &#8222;Oma&#8220; anredet. Dann plappert sie aber niedliches Zeugs vor sich hin, so nach dem Motto, wie toll ich sei, dass ich es von Rom schon wieder hierher geschafft habe und so weiter. Offenbar schw\u00e4tzt sie in Rom die italienischen Tauben genauso zu, aber vielleicht macht man das ja auch im Ausland so. Was wei\u00df denn ich? Denen ist ja alles zuzutrauen. Die essen ja sogar Singv\u00f6gel, diese Barbaren!!! Egal, also der Balkon war eine Wucht. Und so konnte ich meine Gertrud eines sch\u00f6nen Morgens sozusagen im Blindflug (es sollte eine \u00dcberraschung sein, sie hat schon nicht mehr dran geglaubt) dort hinf\u00fchren. Was war sie entz\u00fcckt! Karl, hat sie immer wieder gegurrt, Karl, wie hast Du so ein Kleinod nur gefunden? Du bist einfach der Gr\u00f6\u00dfte! Und welcher T\u00e4uberich h\u00f6rt das nicht gerne? Das ging mir runter wie Maisk\u00f6rner. Besonders entz\u00fcckt war sie von der Sauberkeit und den praktischen Korbst\u00fchlen mit den gem\u00fctlichen Lehnen. Kein Kratzen an den Zehen, kein l\u00e4stiges Balancieren erforderlich. Ein Traum! Und so begann unsere sch\u00f6ne Zeit: ich sa\u00df auf dem langen, langen Gel\u00e4nder und berichtete Gertrud von allem, was in den B\u00e4umen vor uns und auf der Wiese drunter vor sich ging. Und das war eine Menge. Die Eichkater im Baum f\u00fchrten sich auf, als geh\u00f6re ihnen die Welt, der schwarze alte Hund im Erdgeschoss kam immer mal wieder raus, um nach dem Rechten zu schauen und auch auf den umliegenden Balkonen ging so Manches vor sich. Es war eine sch\u00f6ne Zeit. Gertrud sa\u00df unter dem runden Tisch und gurrte ab und an eine Frage oder ein versonnenes &#8222;hach, ist das sch\u00f6n, Karl!&#8220; zu mir hoch. Selten habe ich mich wohler in meinen Federn gef\u00fchlt. Wir blieben immer so zwei, drei Stunden und sind dann wieder nach Hause geflogen. Und das h\u00e4tte noch ewig so weitergehen k\u00f6nnen. Wenn dann nicht auf einmal ein Stimmungsumschwung drinnen stattgefunden h\u00e4tte. Auf einmal raste die bisher sehr nette und auch eigentlich kaum anwesende Bewohnerin hinter der Glasscheibe hervor und oder schlug heftig auf sie ein. Wir Stadttauben sind ja so Manches gewohnt, aber bei pl\u00f6tzlichen lauten Ger\u00e4uschen erschrecken auch wir. Gertruds kleines Herz wollte fast die Brustfedern durchschlagen und auch mir fuhr der Schreck geh\u00f6rig in die Federn. Das ging so eine Zeit lang. Oft sah sie uns nicht, weil sie wie eine Wilde im anderen Zimmer auf ein wei\u00dfes Ding mit Tasten einhub, aber wenn sie dann ins Wohnzimmer kam, war sie meist recht bald auch auf dem Balkon. Ihr Mann, ein sehr netter Kerl eigentlich, trieb es auch ganz wild und schlug fast die riesige Scheibe ein. Vermutlich wurde er angestachelt. Der Herr wei\u00df, was eine Frau alles mit ihrem Mann machen, ich kann da ein Lied davon singen&#8230;.Aber ich muss jetzt unterbrechen, mich nimmt das alles so mit. Den Fortgang der Geschichte muss ich morgen oder wann anders erz\u00e4hlen. Und da kommt noch so Einiges! Das ist ein echter Krimi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also, Gertrud und ich sind nun schon seit zwei Jahren ein Paar. Sie ist ein wenig scheu, aber gerade das gef\u00e4llt mir an ihr. 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