{"id":1845,"date":"2015-05-10T14:14:05","date_gmt":"2015-05-10T14:14:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1845"},"modified":"2015-05-10T14:16:59","modified_gmt":"2015-05-10T14:16:59","slug":"die-hoeflichkeit-der-koenige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1845","title":{"rendered":"Die H\u00f6flichkeit der K\u00f6nige"},"content":{"rendered":"<p>Egal, was ich auch anstelle, egal, wie oft ich mich umziehe oder etwas suche, egal, ob wir uns verfahren oder auf dem Weg beschlie\u00dfen, uns scheiden zu lassen, p\u00fcnktlich sind wir immer. Es ist peinlich und unmodern. Wir sch\u00e4men uns regelm\u00e4\u00dfig in Grund und Boden und kennen die Seitenstra\u00dfen rund um die Wohnsitze unserer Freunde oder der Restaurants, die wir regelm\u00e4\u00dfig besuchen inzwischen in- und ausw\u00e4ndig. Wir haben die P\u00fcnktlichkeit so im Blut wie andere Menschen die Unp\u00fcnktlichkeit. Und wir haben gelernt, uns daf\u00fcr zu sch\u00e4men. Weil wir offenbar nicht gen\u00fcgend Wichtigeres zu tun haben. Wir sind einfach organisiert und nehmen Termine ernst. Saubl\u00f6d.<\/p>\n<p>Keinem von uns w\u00fcrde in letzter Minute einfallen, dass er\u00a0noch schnell aufr\u00e4umen, einkaufen, Gem\u00fcse wachen oder Kindern Brote schmieren muss. Wir wissen\u00a0vorher, ob Benzin im Tank ist, iPhones aufzuladen oder Grizzlyb\u00e4ren zu f\u00fcttern sind. Wir wissen auch oftmals vorab, wo wir uns treffen. Und wir stehen damit ganz, ganz alleine da. Was ist so verlockend daran, sich erst, wenn man eigentlich schon da sein sollte, anzuziehen oder zu \u00fcberlegen, was man vielleicht anziehen k\u00f6nnte? Was soll das signalisieren? Warum geht man dann \u00fcberhaupt hin? Warum vereinbart man eine Zeit? Und ist man tats\u00e4chlich gezwungen, auf unp\u00fcnktliche\u00a0Letzte zu warten? Ist es nun unh\u00f6flicher, schon mal anzufangen oder unh\u00f6flicher zu sp\u00e4t zu kommen?<\/p>\n<p>Ich habe mir die Regel meiner Oma zueigen gemacht. Ab einer Viertelstunde darf man machen, was man mag. In Zeiten von Handy mag ich meist nicht warten und gehe oder fange an, das Essen zu servieren. Denn ich finde nicht, dass man Ungezogenheit nach dem Prinzip des verlorenen Sohnes auch noch honorieren sollte. \u00a0Mein Mann\u00a0ist da sehr g\u00fctig. Aber ich finde es unertr\u00e4glich, immer und aus Prinzip unp\u00fcnktlich zu sein. Da gibt es wenig Kompromisse, au\u00dfer man trifft sich automatisch immer eine halbe Stunde sp\u00e4ter, aber das ist doch dann auch affig? Haben Zusp\u00e4tkommer\u00a0die Regel erst einmal erkannt, kommen\u00a0sie dann\u00a0eben eine Stunde sp\u00e4ter. Denn darum gehts ja letztlich: den herbeigesehnten Auftritt zu haben. Wer einen Auftritt braucht, soll zum Theater gehen und nicht zu Einladungen. Finde ich. Ich muss weg, hab einen Termin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal, was ich auch anstelle, egal, wie oft ich mich umziehe oder etwas suche, egal, ob wir uns verfahren oder auf dem Weg beschlie\u00dfen, uns scheiden zu lassen, p\u00fcnktlich sind wir immer. Es ist peinlich und unmodern. 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