{"id":1326,"date":"2015-01-13T18:46:37","date_gmt":"2015-01-13T18:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1326"},"modified":"2015-01-13T19:40:08","modified_gmt":"2015-01-13T19:40:08","slug":"schoen-aber-tyrannisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1326","title":{"rendered":"Sch\u00f6n aber tyrannisch"},"content":{"rendered":"<p>In Paris regnet es und ist warm. Ich muss dennoch Handschuhe tragen, weil ich ja die frischen N\u00e4gel habe. So Vieles kann ich nun verstehen. Unsere Vermieterin, Fleure, die\u00a0sich, kaum dass sie eine K\u00fcche auch nur aus der Ferne sieht, \u00a0sofort Gummihandschuhe \u00fcberst\u00fclpt, warum Frauen fr\u00fcher immer Handschuhe getragen haben, warum die Damen der Gesellschaft entweder diese f\u00fcrchterlichen Geln\u00e4gel haben, die man \u2013 wie ich gestern erleben durfte \u2013 fast nur unter Einbu\u00dfe der eigenen Hand wieder ab bekommt, oder Zugehfrauen haben. Ach und \u00fcberhaupt w\u00fcrde ich meinen, dass viel Ungl\u00fcck auf der Welt daher kommt, weil man seine H\u00e4nde nicht ordentlich benutzen kann.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck kann ich mit ihnen schreiben, weil ich so kinderkurze N\u00e4gel habe (vom letzten Lackieren im November), aber sonst? Was tut man mit so langen, bunten, unpraktischen H\u00e4nden den ganzen Tag \u00fcber? Man wird zur Gefangenen seiner N\u00e4gel oder man lernt, mit ihnen zu leben. Wie eine Freundin von mir, die unger\u00fchrt mit zehn Zentimeter Abs\u00e4tzen neben mir durch das verschneite Sankt Petersburg gest\u00f6ckelt ist, w\u00e4hrend ich mit Stiefeln noch kalt hatte, vom Rutschen jetzt mal nicht zu reden. Das ist wohl eine Einstellungssache wie so Vieles im Leben. Und eine Gewohnheit.<\/p>\n<p>Dennoch. Wie oft geht es mir in Rom so \u2013 ich bin ja zum Gl\u00fcck beinahe schon immer ein Freiberufler -, dass ich da sitze, etwas schreibe oder rechne (ganz schlimm), versonnen nach drau\u00dfen blicke und ein gelbes Blatt sehe. Dann k\u00e4mpfe ich gegen meinen zwanghaften Kontrollzwang an und n\u00f6tige mich zum ruhig weiterarbeiten. Dann schaue ich wieder hin. Und dann mache ich einen Handel mit mir, dass ich beim dritten Mal Hinschauen aufstehe und es abzupfe.<\/p>\n<p>Das ist schnell geschehen, jedoch ist das erst der Anfang, denn dann beginnt das Drama seinen Lauf zu nehmen. Es bleibt nat\u00fcrlich nicht bei einem Blatt. Aus dem einen Blatt werden mehrere, es finden sich kleine welke Zweiglein, Unkraut hat sich breit gemacht, hinter dem Topf welkes Laub gesammelt (bitte denken Sie nicht, ich lie\u00dfe meine Terrasse verwahrlosen, sie ist nur recht gro\u00df und ich bin nicht immer da, wie treue Leser ja am besten wissen m\u00fcssten), wie sieht eigentlich der Orangenbaum aus? Und diese mistigen Rosen? Schon wieder leichter Schimmel und diese kleinen gr\u00fcnen Drecksbiester, die hoffnungsvolle zarte Knospen zum Fr\u00fchst\u00fcck nehmen. Da muss Ger\u00e4t her.<\/p>\n<p>Weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass man immer in Kontakt mit der Natur sein soll, nehme ich meine H\u00e4nde als Ger\u00e4te. W\u00fchle, zupfe und grabe. Erwache ich dann nach eineinhalb Stunden aus meinem Rausch, weil vielleicht gn\u00e4digerweise das Telefon klingelt oder ich Hunger bekomme und ich gehe rein zum H\u00e4ndewaschen, ist der Schock \u00fcber ein gelbes Blatt vergleichsweise harmlos. Ich sehe aus als h\u00e4tte ich zwanzig Katzenbabies gro\u00df gezogen, nur dass die roten Flecken auf meinen H\u00e4nden nicht (nur) Blut sind, sondern der kl\u00e4gliche Rest meines Nagellacks. Dieses Mal wird das anders. Diese teure Farbe h\u00e4lt bis Sonntag Fr\u00fch. Samstag sind wir auf einem Ball und basta. Und nach Rom fahre ich eh erst \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 n\u00e4chste Woche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Paris regnet es und ist warm. Ich muss dennoch Handschuhe tragen, weil ich ja die frischen N\u00e4gel habe. So Vieles kann ich nun verstehen. 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