{"id":1182,"date":"2014-12-15T09:38:49","date_gmt":"2014-12-15T09:38:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1182"},"modified":"2015-01-21T15:59:48","modified_gmt":"2015-01-21T15:59:48","slug":"non-scola-sed-vitae-discimus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1182","title":{"rendered":"Non scolae sed vitae discimus"},"content":{"rendered":"<p>Bald werden nicht mal mehr \u00c4rzte oder Lehrer dieses sch\u00f6ne Sprichwort \u00fcbersetzen k\u00f6nnen. Weil alles so schrecklich m\u00fchsam und ungerecht im Leben ist und Latein eine besonders grausame und lernintensive Sprache ist, soll sie\u00a0als Zugangsh\u00fcrde f\u00fcr das Studium des Lehramtes und der Medizin in Nordrhein-Westfalen abgeschafft werden, zumindest jedoch auf das kleine Latinum reduziert werden. Recht so. Wozu muss ein Medizinstudent sich mit so umkommoden Themen rumschlagen, bei denen es um Systematik, Struktur und Logik geht, oder gar ein Lehrer? Warum eigentlich \u00fcberhabt noch ein Studium? Wo doch die eigentliche Motivation ein wei\u00dfer Kittel, viele Krankenschwestern und ein Porsche Cayenne oder gem\u00fctliche Birkenstocks und wenig Arbeit sind?<\/p>\n<p>Zweiklassengesellschaft \u00a0kr\u00e4hen die allseits und immer Benachteiligung witternden Unterst\u00fctzer am Rande des Erfolgs und f\u00fcrchten, dass Menschen, denen der Zusammenhang zwischen M\u00fche und Lohn bekannt ist, manchmal im Leben weiter kommen. Das ist aber voll unfair: Alle sollen Medizin und Lehramt studieren k\u00f6nnen und sich nicht so abm\u00fchen m\u00fcssen. Das, was sie sp\u00e4ter damit anfangen, ist ja auch nicht komplex und kann nebenbei erledigt werden. Bei einer Befragung im traditionellsten deutschen Automobilunternehmen hat vor Jahren ein (\u00e4lterer) Mitarbeiter resigniert gesagt: Wir essen unsere Saatkartoffeln auf. Das sagte er, weil das Unternehmen sukzessive Mittel aus der Forschung abzog, um sie in die Entwicklung zu stecken. Das ziellose Forschen und Experimentieren ist es aber gerade, was die deutsche Wirtschaft erfolgreich gemacht hat. So sind bahnbrechende Erfindungen und Neuerungen \u00fcberhaupt auf den Weg gebracht worden. Nicht alles, was in die Technologief\u00fchrerschaft f\u00fchrt, entsteht aus dem leichtesten, direkten Weg.<\/p>\n<p>Klar, sind andere L\u00e4nder, gar Kontinente mit der reinen Nachahmung und Weiterentwicklung inzwischen so weit gekommen, dass sie sich halb Venedig, Rom oder Florenz unter der Hand unter den Nagel gerissen haben, aber ich pers\u00f6nlich halte das f\u00fcr den sichersten Weg in die Verbl\u00f6dung und Verfettung der Menschheit. Latein erm\u00f6glicht eine Sprachenzug\u00e4nglichkeit, die ansonsten wirklich nur in einer Zweiklassengesellschaft \u00a0geherrscht hat. Sie ist die Alternative zur Grand Tour der fr\u00fcheren High Society, zu Auslandssemester und Sch\u00fcleraustausch. Latein legt eine Basis in Sprachverst\u00e4ndnis und Logik, das sich eben nicht sofort &#8222;auszahlt&#8220;, aber gerade in Mitteleuropa hegen wir ja zurecht die Hoffnung, etwas \u00e4lter zu werden und dann kommen &#8211; \u00e4hnlich wie bei scheinbar fruchtloser Forschung &#8211; die Lateinfr\u00fcchte durchaus zum Tragen. Ich bin nat\u00fcrlich gerade besonders beseelt, weil ich am Freitag nach reichlich Weingenuss die Einser-Ex von meinem Patenkind fehlerfrei nach\u00fcbersetzt habe. Nun kann man sich entscheiden: In vino veritas oder eben doch die \u00dcberschrift.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald werden nicht mal mehr \u00c4rzte oder Lehrer dieses sch\u00f6ne Sprichwort \u00fcbersetzen k\u00f6nnen. 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