{"id":1135,"date":"2014-12-03T09:08:24","date_gmt":"2014-12-03T09:08:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1135"},"modified":"2014-12-03T09:08:24","modified_gmt":"2014-12-03T09:08:24","slug":"die-etikette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1135","title":{"rendered":"Die Etikette"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ich in Versailles zu einer Ausstellung und tats\u00e4chlich war das Ticket auch f\u00fcr ganz Versailles g\u00fcltig. Allerdings m\u00f6chte bei kalten, nieseligen zwei Grad kein Mensch die G\u00e4rten anschauen &#8211; Springbrunnen hin, Lustpavillons her &#8211; und so blieb viel mehr Zeit f\u00fcr die Gem\u00e4cher von K\u00f6nigin und K\u00f6nig. Wer wei\u00df\u00a0zum Beispiel, dass das Wort Appartement meist eine Abfolge von f\u00fcnf R\u00e4umen bezeichnet, die immer intimer werden, bis sie schlie\u00dflich im Kleinen Kabinett m\u00fcnden? Da ist\u00a0ganz genau geregelt, wer wo rein darf.<\/p>\n<p>Geregelt ist\u00a0das \u00fcber den Stand der jeweiligen Personen. Ins offizielle Schlafzimmer der K\u00f6nigin und des K\u00f6nigs durfte hingegen jeder, der sich an die Etikette hielt. Das war schlau ausgedacht von den Hofmeistern, denn der Hof an sich &#8211; so gro\u00df er auch war &#8211; stellte doch eine recht einzigartige Konstruktion dar: viele, viele Menschen aus verschiedenen Schichten trafen aufeinander. Sie waren nicht wie auf Bauernh\u00f6fen miteinander verwandt, Mehrfamilienh\u00e4user gab es nicht in der Masse und wenn, hatten die Leute nicht viel miteinander zu tun. Bei Hof war das anders. Jeder wollte m\u00f6glichst nahe an der Macht, am K\u00f6nig sein. Und damit sich nicht dauernd alle \u00fcbereinander \u00e4rgern und das Miteinander reibungslos verlaufen kann, hat man die Etikette erfunden (mir ist klar, dass jeder Experte an diesem Punkt schluchzend wegen dieser groben Darstellung den Blog verlassen hat).<\/p>\n<p>Die Etikette\u00a0ist also nicht ein bl\u00f6des Regelwerk von alten Tanten und Spie\u00dfern, sondern vom Prinzip her eine prima \u00dcberlebensstrategie, die erst durch sehr gutes Einanderkennen zur Seite gelegt werden kann &#8211; und selbst dann nicht komplett. Wer un&#8217;h\u00f6f&#8217;lich ist, verliert seine Stellung und oft auch seine Lebensgrundlage. Viele Probleme, mit denen wir heute zu k\u00e4mpfen haben, kommen meiner Meinung nach schlichtweg daher, dass wir nicht dieselbe Etikette teilen und dass das, was der Andere, Fremde tut, uns aus der Gewohnheit heraus sauer aufst\u00f6\u00dft, uns beleidigt, weil wir Absicht dahinter vermuten. Beim H\u00e4ndesch\u00fctteln geht es los, zu kurz, zu lang, in die Augen schauen, zur Seite. In meiner ersten Zeit in Rom war ich schwerst verunsichert, weil M\u00e4nner rigoros zur Seite geschaut haben, wenn mein Mann\u00a0sie mir vorgestellt hat. War ich so h\u00e4sslich? Fanden sie mich doof? Nein, sie waren nur sehr respektvoll meinem Mann gegen\u00fcber, das ist\u00a0alles. Wenn man sich das alles mal so \u00fcberlegt, dann ist Etikette ein wunderbares Vehikel, das es erlaubt, den Menschen hinter dem Verhalten zu finden, weil man sich nicht grundlos \u00fcber ihn wundern oder gar \u00e4rgern\u00a0muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich in Versailles zu einer Ausstellung und tats\u00e4chlich war das Ticket auch f\u00fcr ganz Versailles g\u00fcltig. 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