{"id":1080,"date":"2014-11-22T15:59:34","date_gmt":"2014-11-22T15:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1080"},"modified":"2014-11-24T19:41:02","modified_gmt":"2014-11-24T19:41:02","slug":"il-barbiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedankenausdemausland.de\/?p=1080","title":{"rendered":"Il Barbiere"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt einen Aspekt der K\u00f6rperpflege, bei dem Frauen es mit M\u00e4nnern nicht aufnehmen k\u00f6nnen. Niemals k\u00f6nnen sie so zimperlich und \u00e4ngstlich und treu sein wie M\u00e4nner wenn es um ihren Friseur geht. Schlie\u00dft der Friseur des Vertrauens &#8211; meist aus Altersgr\u00fcnden &#8211; oder zwingt einen der Beruf zum Umzug, so gleicht das einer Trag\u00f6die. Nun ist das kein Thema, \u00fcber das gro\u00df gesprochen wird, aber ich kann Ihnen versichern, das was Sie zu h\u00f6ren bekommen, ist nur die Spitze des Eisberges. Der riesige Rest ist unter einem Meer aus Schweigen begraben. Mit wem sollen sie sich aus austauschen, ohne den Anschein der ignoranten Kernigkeit zu verlieren? Echte Kerle fragen einander ja auch nicht nach Handcreme (obwohl das schon nicht schlecht w\u00e4re manchmal).<\/p>\n<p>Und so hat es auch bei mir jahrelang gedauert, bis ich den Ernst der Lage verstanden habe, \u00a0ja verstehen konnte. Nun\u00a0bin ich allerdings, was Friseure angeht, von beinahe unertr\u00e4glicher Gleichg\u00fcltigkeit und h\u00fcpfe sorglos in fast jeden Salon. Sind wir bei einer glamour\u00f6sen Veranstaltung und mir sitzt die Prasssucht im Nacken, was nicht oft geschieht, g\u00f6nne ich mir den Luxus und lass mir die Haare beim Friseur waschen und f\u00f6hnen, weil ich leider auch v\u00f6llig untalentiert bin, es ordentlich selbst zu tun. Mir ist es dabei v\u00f6llig egal, wer es macht, nur warten und unfreundlich sein kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Oder keine oder verlotterte Zeitschriften. Unter dem Einfluss dieser Wurschtigkeit habe ich die zarten Signale, die mein Mann ausgesendet hat, die l\u00e4ngste Zeit nicht verstanden. Bis es eines Tages im Rahmen eines kleinen, f\u00fcr mich v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen Disputes, aus ihm heraus brach: Alle au\u00dfer seinem Elio sind schlichtweg St\u00fcmper. Am schlimmsten die in Augsburg, ertr\u00e4glich noch der Salon Ewald in Salzburg, schwierig der in Paris.<\/p>\n<p>Als Mann hat man seinen Friseur, am besten noch aus der Kindheit, und damit basta. Stirbt der, tr\u00e4gt man das Haar eben lang. Oder geht zu seinem Sohn, den er hoffentlich angelernt hat \u00fcber die letzten vierzig Jahre. Zaghaftes Nachfragen bei Freundinnen hat geradezu wasserfallartige Informationsfluten ausgel\u00f6st. Jede dachte, sie h\u00e4tte da ein besonders mimosiges Exemplar erwischt. Von wegen. Nicht eine, die nicht schon unter der Friseurfixierung ihres Mannes zu leiden hatte. Der Einzige, der stoisch jedem t\u00fcrkischen Schafscherer eine Chance gibt, ist mein zauberhafter Vater. Aber mal unter uns: bei ihm ist es auch vollkommen egal, wie er danach aussieht. Erstens kann ihn nichts entstellen und zweitens w\u00e4chst es sich nach sp\u00e4testens einer Woche wieder raus. Bestimmt kommt meine sch\u00e4ndliche Ignoranz daher. Zum Gl\u00fcck gibt es zurzeit ein Projekt, das von Rom aus betreut werden muss und so haben wir wenigstens diese Sorge weniger. Dem\u00a0Barbiere des Vertrauens, zu dem\u00a0inzwischen \u00fcbrigens\u00a0auch unsere m\u00e4nnlichen G\u00e4ste pilgern,\u00a0wird, so haben wir heute beschlossen, ein Rasth\u00e4uschen auf der zu bauenden Autobahn gewidmet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einen Aspekt der K\u00f6rperpflege, bei dem Frauen es mit M\u00e4nnern nicht aufnehmen k\u00f6nnen. Niemals k\u00f6nnen sie so zimperlich und \u00e4ngstlich und treu sein wie M\u00e4nner wenn es um ihren Friseur geht. 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